Teheran im Nobelpreis-Dilemma

24. Oktober 2006, 13:01
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Verleihung an Shirin Ebadi wurde 2003 heruntergespielt - Hoffnung im Atomstreit - Analyse von Gudrun Harrer

Teheran/Wien - In Teheran hat man einige Zeit gebraucht, um auf die Verleihung des Friedensnobelpreises an die Internationale Atomenergiebehörde (IAEO) und deren Chef Mohamed ElBaradei zu reagieren. International wird ja die Entscheidung des Nobelpreiskomitees als Unterstützung für die Versuche der IAEO gesehen, auf diplomatischem Wege ein Einlenken des Iran zu erreichen, der der IAEO noch immer Antworten zu seinem Atomprogramm schuldig ist. Die USA verlangen eine härtere Linie der IAEO.

Erst am Sonntag kam es in Teheran zu vorsichtigen Äußerungen der Zustimmung: Man gratuliere Mr ElBaradei, sagte Außenamtssprecher Hamid Reza Asefi, aber er solle sich hüten, in die Hände der Supermächte zu spielen. Immerhin sind ja die Berichte ElBaradeis, zuletzt einer Anfang September, durchaus sehr irankritisch ausgefallen.

Aber das starke Statement, das der Preis gegen die unilaterale Politik der US-Administration von George Bush setzt, muss Teheran freuen - das jedoch auch aus ganz anderen Gründen im Dilemma ist: Als die systemkritische iranische Menschenrechtsanwältin Shirin Ebadi im Jahr 2003 den Friedensnobelpreis erhielt, wurde dies in Teheran systematisch heruntergespielt. Nun tut man sich zwei Jahre später schwer zu erklären, dass dieser Preis doch ein sehr bedeutsamer sei.

Im Allgemeinen hat man den Eindruck, dass sich an der Iran-Atomfront vielleicht etwas bewegen könnte. Die IAEO wurde ja vom Gouverneursrat aufgefordert, einen neuen Bericht vorzulegen - wahrscheinlich Ende November -, der den Ausschlag dafür geben soll, ob der Fall in irgendeiner Form an den UNO-Sicherheitsrat weitergeleitet werden soll oder nicht. In Kürze werden IAEO-Vertreter Gespräche in Teheran führen. Dort haben Beobachter den Eindruck, dass die Regierung einen Ausweg sucht.

Südafrika scheint als Vermittler im Atomstreit infrage zu kommen: Es gibt Spekulationen, dass Teheran jene Technologien, die es nicht selbst ausführen soll - alles, was im engeren Sinn mit Anreicherung zu tun hat -, Südafrika zur Ausführung überlassen könnte. Man könnte dies eher ohne Gesichtsverlust tun, weil Südafrika als unabhängig gilt. Von den Russen scheint man sich, nachdem sie sich Ende September bei der Abstimmung im IAEO-Gouverneursrat über die Iran-Resolution nur enthalten und nicht dagegengestimmt hatten, zu entfernen. Aber auch umgekehrt ist es wohl so, dass Russland eine distanziertere Linie fährt: Zuletzt hatten die Russen einige Termine in der Atomkooperation nicht eingehalten.

Südafrika spielt als Geschäftspartner Irans eine immer wichtigere Rolle: Ein von der alten iranischen Regierung abgeschlossener Vertrag mit Turk Cell über ein Handynetz ist im letzten Moment geplatzt - wie es heißt, haben ihn die Iraner bewusst platzen lassen - und wurde den Südafrikaner zugeschanzt.

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