Wrabetz: Situation im ORF ist ernst, aber nicht hoffnungslos

4. November 2005, 16:34
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"ORF ist ein wirtschaftlich gesundes Unternehmen" - "Tempo und Konsequenz unserer Bemühungen weiter erhöhen" - Wrabetz-Beitrag im Wortlaut

Die Frage, ob der ORF noch zu retten ist, beschäftigte in den vergangenen Wochen und Monaten Medien und Medienexperten. Der Kaufmännische ORF-Direktor Alexander Wrabetz weist nun Spekulationen rund um die wirtschaftliche Lage des öffentlich-rechtlichen Senders zurück. Die Situation sei ernst, aber nicht hoffnungslos, schreibt Wrabetz im jüngsten Human Resources Report des Unternehmens.

Finanzierbarkeit in Frage gestellt

In verschiedenen Medienberichten wurden zuletzt Stimmen zitiert, die die Finanzierbarkeit der Rundfunkanstalt auf längere Sicht in Frage stellten. Der laufende Sparkurs im ORF sowie die Spekulationen über die ORF-Finanzen schlugen sich auf Stimmung und Motivation der Mitarbeiter. Wrabetz dazu: "Wahr ist: Der ORF steht vor den sicher größten Herausforderungen seiner Geschichte."

Die Konkurrenz nehme zu, neue digitale Plattformen verschärften den Wettbewerb, der Rechtewettlauf treibe die Lizenzkosten in die Höhe und viele der in den Siebziger Jahren errichteten ORF-Gebäude müssten nun saniert werden. Dazu kommen laut Wrabetz die "Dumpingkonkurrenz" der Werbefenster sowie "restriktive Urteile" des Bundeskommunikationssenats. "Dies in einem europäischen Umfeld, in dem riesige Konzerne mit ihren Zuträgern versuchen, dem ungeliebten öffentlich-rechtlichen Rundfunk auf EU-Ebene überhaupt den Garaus zu machen."

Kein Anlass zu Hoffnungslosigkeit

Wrabetz weiter: "Die Situation ist also ernst, die Herausforderungen ziemlich anspruchsvoll! Zu Mut- oder gar Hoffnungslosigkeit besteht aber wahrlich kein Anlass. Der ORF ist ein wirtschaftlich gesundes Unternehmen. Wir schreiben trotz aller Schwierigkeiten schwarze Zahlen und haben die letzten Jahre durchaus zufrieden stellend abgeschlossen. Von unseren Bilanzkennzahlen und Marktanteilen können viele Unternehmen nur träumen."

Unumgängliche Strukturreformen seien erfolgt. "Auch wenn die Begriffe 'neuer Kollektivvertrag', 'flexible Arbeitszeit', 'Pensionsreform', 'McKinsey' und 'Sparprogramm' in den Ohren vieler nicht unbedingt positiv klingen, so sind es doch Beispiele, wie jedenfalls notwendige Maßnahmen zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit und Bewältigung von Problemen angegangen und nach konstruktiven Verhandlungen zügig realisiert wurden." Positiv vermerkt der ORF-Direktor auch die "Austöchterung ganzer Bereichen" - Stichwort ORS. "Das heißt nicht, dass es damit getan wäre: Im Gegenteil! Wir müssen Tempo und Konsequenz unserer Bemühungen weiter erhöhen." (APA)

Im Wortlaut

Sind wir noch zu retten? - Direktor Alexander Wrabetz zur Lage des ORF

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