Geradlinige Weintradition in der Moderne

18. November 2005, 15:46
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Nach 14 Monaten Bauzeit ist der markante Zubau vom Weingut Christ in Jedlersdorf fertig

Wien - "Geradlinig" will Rainer Christ seinen Wein machen. Als einer der erfolgreichsten Winzer im Wiener Raum ist er etwa auch überzeugt, dass "Technologie ein Werkzeug ist. Sie macht's nie besser, höchstens einfacher".

Wein-Philosophie

Jetzt hat Christ auch eine passende "geradlinige Hülle" für seine Wein-Philosophie geschaffen, "eine Bühne, die unseren Ideen entgegenkommt". Donnerstagabend wurde der Zubau des Weingutes Christ in Großjedlersdorf eröffnet. Ein vom Architektenteam "Raum-Werk-Stadt" entworfener Bau, der bereits in die aktuelle "WeinArchitektur"-Ausstellung im Architekturzentrum Eingang fand.

Ziel für die Projektleiter Rupert Königswieser und Ferenc Horvath war es, neue Wege im Weingut zu entwerfen. Sei es jener des Besuchers von der neuen Zufahrt über den Spielplatz bis zur Vinothek und neuen Gaststube.

Unfiltriert in die Flaschen

Oder der Weg des Weines, der von der Anlieferung der Trauben bis zur Abfüllung ohne von einer einzigen Pumpe gestört nur der Gravitation folgt. Dies entspricht der Weinphilosophie als "Naturprodukt", wo etwa der Rotwein "komplett unfiltriert in die Flaschen kommt".

Interessante Rebflächen

Wobei die Familie Christ - die immerhin schon seit über 400 Jahren am Platz ist - auch einen Bogen zur Tradition spannte und den alten Schank- und Gastraum im Original für das traditionelle Heurigenpublikum erhielt. So, wie auch der Familienbetrieb "sicher nicht von heute auf morgen aufs Doppelte explodieren" werde. Obwohl natürlich "immer wieder einige interessante Rebflächen dazugekauft werden". Schließlich gebe es derzeit in Wien einige Betriebe, die Probleme - etwa mit der Nachfolge - haben.

Für Christ selbst war es ein kurzes Feiern: "Gleich morgen geht die Lese weiter" - schließlich sei das heurige "ein schwieriges Jahr mit vielen Lesevorgängen". Herbert Schilling, der Obmann des Wiener Landesweinbauverbandes, vermeldete bereits "deutliche Ernteverluste, die durch die Qualität aber wettgemacht werden könnten". Die bisherigen Erntemengen liegen "zirka 20 bis 30 Prozent hinter denen des Vorjahres zurück". (Roman David-Freihsl, DER STANDARD Printausgabe 8/9.10.2005)

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    Von der Einfahrt bis zur Vinothek etwarf die "Raum-Werk-Stadt" neue Wege in das Weingut Christ

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