Appetitzügler für Kleidermotten

14. Oktober 2005, 08:41
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Kampfer, Lavendel & Co sollen gut duften und Lieblingsstücke aus Kaschmir vor den Attacken der Kleider­motte schützen. Mottenschutzmittel - Ein Test

Lavendelblütensäckchen und Mottenkugeln lagen in Großmutters Schränken, und meist verströmten Wäsche und Wintermantel wochenlang das Odeur des jeweiligen Mittels, das gefräßiges Ungeziefer von Textilien fern halten sollte. Kein Fehler, wenn es sich um Lavendel handelte, doch die muffigen Mottenkugeln mochte wohl kaum jemand gerne. Verschiedenste neuartige Antimottenmittel haben ihnen inzwischen ohnehin den Rang abgelaufen: Heute können wir auf eine breite Produktpalette zum Schutz vor der bis zu neun Millimeter langen, silbrig-gelben Kleidermotte (Tineola bisselliella) zurückgreifen.

Denn so nützlich die Tierchen in der Natur sind, da sie zum Beispiel Biomasse in Vogelnestern zersetzen, so schädlich sind sie, wenn sie sich in einem gut gefüllten Kleiderkasten einnisten. Daher sollten Kaschmirpullover, Seidenkleider und feine Anzüge unbedingt mit Mottenschutzmittel versehen werden, wenn sie saisonal bedingt weit nach hinten oder ganz oben in den Schrank wandern. Zu den gefährdeten Fasern gehören übrigens alle tierischen Fasern wie Wolle und Seide, aber auch Leder und Pelze.

Um Motten auf den Leib zu rücken und sie mitsamt ihren gefräßigen Larven endgültig zu vertreiben, gibt es die unterschiedlichsten Möglichkeiten, die gut zu Hause angewendet werden können. Die einfachste und billigste: Immer wieder mal im Schrank auch in den hintersten Reihen für "Bewegung" sorgen! Damit tut man schon einiges gegen die gemeine Kleidermotte, denn wenn es nicht wirklich ruhig ist, ergreift sie die Flucht.

Die Kriterien

Von Duftsäckchen, geruchslosen Mottenstreifen und Zedernhölzern bis hin zu ätherischen Ölen und Mottenfallen reicht heute das Angebot im Kampf gegen das unscheinbare und doch so lästige Insekt. Für diesen Test haben wir auf Mottenfallen, geruchlose Streifen und Hölzer verzichtet: Zum einen erschien es uns wichtig, auch die jeweilige Duftkomponente zu testen. Und zum anderen wollten wir Produkte erforschen, die geschlechtsneutral funktionieren und einen generellen Mottenbefall vereiteln, denn die Fallen zielen nur auf die männlichen Motten ab und erlauben weiblichen Tieren, weiterhin Löcher in die Stoffe zu knabbern.

Auch die Methode "Schockgefrieren" der Textilien, wie sie in manchen Museen üblich ist, um die Mottenplage loszuwerden, war uns ob der geringen Kapazitäten der Tiefkühltruhe leider nicht möglich.

Abgesehen vom Duft und dem zentralen Nutzen wurde bei diesem Test schließlich auch bewertet, wie einfach sich die einzelnen Produkte handhaben lassen und wie lange sie einsatzbereit waren.
Die Ergebnisse

Nexa Lotte Duftender Mottenschutz:
2 Stück um 3,75 € bei dm

In Form einer Motte mit ausgebreiteten Flügeln präsentiert sich der duftende Mottenschutz mit Zedernöl der Firma Nexa Lotte und lässt damit die Tester mutmaßen, dass das Abbild der Motte abschreckend auf Insekten wirken soll. Nach Abziehen einer Plastikfolie wird der angenehm unaufdringliche Mottenschutz freigesetzt. Die Jury ist durchwegs begeistert, auch deshalb, weil die Handhabung sehr einfach und keine Sondermüllentsorgung notwendig ist. Während der drei Monate, die der Mottenschutz eingesetzt werden kann, ist die Verringerung des fein duftenden Öls übrigens im durchsichtigen Mottenbehälter gut zu beobachten. Auch nicht unpraktisch. 8,6 Punkte Ätherisches Lavendel- & Zedernöl:
25 ml von 4,90 bis ca. 9,90 € in Reformhäusern

Wer es duftend und rein biologisch mag, sollte ätherischen Ölen für Kasten und Truhen den Vorzug geben. Hier entscheidet der ganz persönliche Geschmack, ob man es lieber holzig oder blumig mag. Eines ist aber sicher: Wer alle paar Wochen ein paar Tropfen Lavendel- oder Zedernöl auf ein Stück Filz träufelt, wird mit diesen Ölen auch die lästigen Kleidermotten und deren Nachwuchs fern halten. Einziger Nachteil ist vielleicht, dass man öfter neuen Filz in den Kasten hängen muss und statt der sonst üblichen drei Monate nur drei bis vier Wochen sicher sein kann, dass die Mottenabwehr funktioniert. 8,6 Punkte Natur Tus: 2 Mottenhänger um 2,99 € bei bipa
Mithilfe von Zedernöl soll hier Motten der Appetit verdorben werden, was diesem Produkt in den Kästen der Tester auch gelungen ist. Als besonders praktisch wird hier die Handhabung bewertet, da man nicht wie bei anderen Produkten durch Berührung mit den Wirkstoffen in Kontakt kommt. Auch die Tipps gegen Kleidermotten auf der Packung finden bei der Jury großen Anklang. Beim Duft scheiden sich allerdings die Geister: Als "durchaus interessant", bezeichnen ihn die einen, für die anderen ist er aber "viel zu streng". Wirken sollen die Anhänger sechs Monate. 7,9 Punkte Gute Luft Mottenschutz: 10 Blätter
um 2,39 € bei bipa

Die abgebildeten Knospen auf der in Gelb gehaltenen Verpackung versprechen hier Mottenschutz durch die Blume, und tatsächlich überrascht dieser Testkandidat mit einer blumigen Variante der Mottenabwehr. Die Jury freut sich über "die duftende Abwechslung". Knapp drei Monate sollen damit die kleinen Schädlinge fern gehalten werden, und während der drei Monate, die die Testphase gedauert hat, ist dies anscheinend gut gelungen, obwohl sich der Duft rasch verflüchtigt hat. Das gute Gesamtresultat wird leider durch die notwendige Problemabfallentsorgung auch hier geschmälert. 6,1 Punkte Vandal Lavendelduft Mottenschutz:
10 Duftblätter um 4,15 € bei dm

Über drei Monate hinweg sollen hier mithilfe der Duftblätter lästige Motten fern gehalten werden, was nach einem akuten Mottenproblem auch gut funktioniert. Die Jury vermutet aber angesichts des scharfen Geruchs, dass hier auch Kampfer eingesetzt wird, obwohl sich der Hersteller bei der Angabe der Wirkstoffe nur auf Lavendel bezieht. Jedenfalls "zu intensiv im Geruch" für die feinen Seidenkleidchen, befindet die Mehrheit der Jury. Bedenklich stimmt auch die Tatsache, dass die Duftblätter nach Gebrauch der Problemstoffsammlung zugeführt werden sollen. 4,5 Punkte Pajol Motten-Tabletten Chypre:
10 Stück um 1,09 € bei Schlecker

Hier wird es ganz schön scharf im Kasten: "Kampfer, wohin man riecht!", meint die Jury und ist davon überzeugt, dass mit diesem Produkt lediglich Kampferliebhaber erfreut sein werden. Auch wenn sie nicht ganz so muffig riechen, so erinnern die Tabletten doch sehr an Mottenkugeln aus Großmutters Wäschekasten. Ganze sechs Monate sollen sie mit ihrem einprägsamen Geruch Stoffe und Pelze vor möglichen Mottenattacken schützen. Dass die Motten-Tabletten nach dem Gebrauch in die Problemstoffsammlung gehören, spricht leider auch nicht für diesen Kandidaten. 3,5 Punkte

* Jeder Artikel spiegelt die ganz persönliche Meinung der AutorInnen wider.

Evelyn Steinthaler hat sich in Schränken und Kommoden testend umgesehen.
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