Das Pedalrittern um die Wiener Radfahrer

14. Oktober 2005, 16:00
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Grüne und ÖVP-Forderungen für Strampler - Grüne fordern "Highway" - VP versperrbare Garage

Wien - Die Zielgruppe ist gewaltig. Vor allem wenn man bedenkt, dass der "Pedalisierungsgrad" deutlich höher ist als der Motorisierungsgrad: In Wien gebe es mehr als zwei Millionen Fahrräder, schätzt Wiens Radwegekoordinator Franz Blaha. Sprich: Jeder statistische Wiener besitzt im Schnitt rund 1,3 Fahrräder. Zum Vergleich: Der "Motorisierungsgrad" betrug 2003 in Wien lediglich 421 Pkws pro 1000 Einwohner.

Und wenn auch bei Weitem nicht alle Radlbesitzer regelmäßig in der Stadt unterwegs sind - sie wollen umworben werden. Also stürzten sich Freitagvormittag zwei Parteien im Ideenwettstreit auf sie. ÖVP und Grüne. Kein Wunder, wo sie doch vor allem in den innerstädtischen Bezirken um dasselbe Wählerpotenzial (pedal-)rittern.

Die Radgarage

Den Anfang machte die ÖVP mit "ihrem", aber "unabhängigen" ehemaligen Grünen-Mandatar Günter Kenesei. Der präsentierte als wahlkämpferische Forderung: die Fahrradgarage - eine versperrbare Box, die sowohl in Wohnbauten als auch im öffentlichen Raum mit einem Münzsystem aufgestellt werden solle.

"Die Radabstellräume in Wohnbauten sind ja viel zu klein", ergänzte der Wiener VP-Landesgeschäftsführer Norbert Walter, "daher werden im Winter die meisten Räder im Kellerabteil oder auf dem Balkon abgestellt".

Die Boxen sollten im Wohnbau über Förderung von den Bauträgern mitfinanziert werden, warb Kenesei für seine Idee - und dann pro Monat für fünf oder zehn Euro gemietet werden können. Die öffentliche Version der "Radgarage" solle mit Gittern errichtet werden, "weil immer die Sorge besteht, was die Leute da drinnen alles einlagern könnten".

Kenesei auf die Frage, dass sein Nicht-mehr-Parteifreund Christoph Chorherr den Bau einer "Bike-City" für Radfahrer initiiert habe: "Ein Themenschwerpunkt. In Wirklichkeit sollte jede Wohnhausanlage eine Bike-City sein."

Der Rad-Highway

Chorherr selbst lud kurz darauf zur Präsentation der grünen Rad-Idee dieses Wahlkampfes - gemeinsam mit der Grünen Kandidatin Sabine Gretner, die als Planungsreferentin seinerzeit schon Kenesei Material für die Aufdeckung des "Widmungsskandals" geliefert hatte.

Beide (Gretner und Chorherr) fordern: einen "Rad-Highway" für das Wiental. Der Hintergrund: Die Idee, im Zuge des Kanalbaus im Wientalbecken gleich einen Radweg zu errichten, "ist gestorben", sagt Gretner. Aus Sicherheitsgründen wegen drohender Hochwässer. Daher solle der Radweg einfach oben an der Wientalböschung "wie ein Balkon" eingehängt werden.

Dass dies geht, wurde schon bewiesen: Beim Donaukanal-Radweg in der Spittelau vor dem neuen Zaha-Hadid-Bau. Gretner hat bereits eine Machbarkeitsstudie erstellen lassen und schätzt die Baukosten für die acht Kilometer auf zwölf bis 15 Millionen Euro. Die Grünen vergleichen dies mit den Kosten für die "Lobauautobahn": 2,8 Mrd. Euro.

Chorherr: "Wer Radwege sät, wird Radfahrer ernten. Wir fordern daher eine Hochrangige Radanlage, die etwas hermacht. Ich freu mich schon auf die Verhandlungen mit der SPÖ nach der Wahl." (DER STANDARD, Printausgabe 8./9.10.2005)

Von Roman David-Freihsl
  • Die Grünen fordern: einen Fahrrad-"Highway" für das Wiental, von Hütteldorf bis zum Naschmarkt.
    visualisierung: raumtakt

    Die Grünen fordern: einen Fahrrad-"Highway" für das Wiental, von Hütteldorf bis zum Naschmarkt.

  • Die Wiener ÖVP will: versperrbare Fahrrad-"Garagen" in Wohnbauten und auf öffentlichen Plätzen.
    foto: övp

    Die Wiener ÖVP will: versperrbare Fahrrad-"Garagen" in Wohnbauten und auf öffentlichen Plätzen.

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