Gefährliches Bild des Afrikaners

30. Dezember 2005, 11:10
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Eine Bevölkerungsgruppe mit Todesfällen im Behördenkontakt - Grüne und Gastinger über "Operation Spring"

Wien - Ursprünglich war geplant, die "sichtbare Minderheit" der Afrikaner in Österreich zu Wort kommen zu lassen, um ihren Problemen und Perspektiven näher zu treten. Doch unter dem Druck der Ereignisse - dem Tod eines jungen Schwarzen in der Linzer Schubhaft - stand bei der Grünen-Enquete am Freitag im Parlament wieder jenes Bild im Mittelpunkt, das sich die Einheimischen von "den Schwarzen" machen - und seine Konsequenzen für diese.

"Aggressiv"

"Mir ist keine andere Bevölkerungsgruppe in Österreich eingefallen, die derart mit Todesfällen im Behördenkontakt verknüpft ist wie die der Afrikaner", fasste Grünen-Menschenrechtssprecherin Terezija Stoisits Fälle wie jene Omofumas und Wagues zusammen. Das sei wohl auch die Folge der "aus dem Mittelalter, ja aus frühen Bibelauslegungen stammenden" Einschätzung dunkelhäutiger Menschen als "besonders aggressiv", meinte Araba Johnston-Arthur von der Bewegung der jungen afrikanischen Diaspora in Österreich, Pamoja.

Polizeieinsätze mit überproportionaler Zahl von Beamten

Eine Konsequenz dieses Vorurteils, laut Johnston-Arthur: "Bei Polizeieinsätzen zum Beispiel, die Afrikanern gelten, wird meist eine überproportionale Zahl von Beamten aufgeboten". Mit ausgeprägter Gefahr einer Aufschaukelung, wie sich in der Praxis immer wieder zeige. So lange das Problem nicht im Rahmen positiv herauszustreichender Projekte wie jenes über "Polizei und Afrikaner" bearbeitet werde.

Viel Ermittlungseinsatz hatte auch die "Operation Spring" gegen ein Netzwerk mutmaßlicher afrikanischer Drogendealer geprägt. Für Stoisits ein Verfahrensreigen, der nach Wiederaufrollung verlange. Die Affäre habe die Dringlichkeit einer "Reform des gerichtlichen Hauptverfahrens" unterstrichen, dem "wichtigsten justizpolitischen Reformvorhaben für die kommende Legislaturperiode".

Gastinger will reden

Freitagnachmittag kündigte Justizministerin Karin Gastinger (BZÖ) indes an, eine "Gesprächsrunde" über "Operation Spring" einberufen zu wollen - in Reaktion auf die gleichnamige Dokumentation, die in Kinos zu sehen ist. (bri, DER STANDARD Printausgabe 8/9.10.2005)

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