Wenn Grasser Hausmann wird

4. November 2005, 16:28
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Das zehnjährige Jubiläum Christoph Schönborns als Erzbischof von Wien ging relativ ruhig über die Bühne...

Das zehnjährige Jubiläum Christoph Schönborns als Erzbischof von Wien ging relativ ruhig über die Bühne. Nur die Grazer "Kleine Zeitung" befand, seine Einlassung über die Evolutionslehre in der "New York Times" hat ihn international als Intellektuellen in die Schlagzeilen gebracht. Wenn ihm das im Himmel nur nicht schadet.

Da hat der Dompfarrer zu St. Stephan einen mehr ins Überirdische gehenden Ehrgeiz. Anton Faber wurde schon "als Hirte seiner Eitelkeit" verspottet, weil er auch in den Seitenblicken präsent ist, beförderte der "Kurier" neulich den einschlägigen Hirten auf einer den Spitzen der Gesellschaft gewidmeten Seite zu deren Oberhirten. Besser so in die Schlagzeilen zu kommen denn als Intellektueller. Aber das Straßenbahnerkind hat auch sein Kreuz zu tragen. Denn seit er Verona traute, muss er sich verteidigen.

Wenn er Verona Pooth, vormals Feldbusch, im Stephansdom traut oder Richard Lugners Kino-Center einweiht, ist das für ihn eine missionarische Handlung. Leider wird der Missionar, wie in anderen Erdteilen auch, gelegentlich missverstanden. "Es hat schon sehr weh getan, dass man mich den ,Richard Lugner des Austro-Klerus' genannt hat, was tatsächlich auf eine gewisse Eitelkeit schließen lässt. Aber Trost blieb nicht aus. "Der Herr Lugner hat mich angerufen und gesagt, dass es ihm so Leid tue." Indes, Anton Faber nimmt es gelassen hin, dass ihm auch innerkirchlich Neid und Eifersucht entgegenschlägt. Und er tröstet sich: "Ich glaube, es ist ein Lebensgesetz, je mehr Erfolg einer hat, desto mehr Neider hat er." Das sagt Hans Dichand seit Jahrzehnten.

Wie so oft sind die Wege des Herrn auch in diesem Fall unerforschlich. "Mein Vater wollte eigentlich auch Pfarrer werden, wenn nicht die Frauen gewesen wären." Hat er sich halt für die Bim entschieden, es kann nicht jeder Hirte seiner Eitelkeit werden. "Er ist ja auch bei den Donnerstagsdemonstrationen mitgegangen - und dann sehr katholisch gewesen." Dabei war die Volkspartei so gegen die Demos!

Bei einer anderen, vom Boulevard herbeigeflehten Hochzeit wird der Dompfarrer leider passen müssen. Karl-Heinz war schon einmal kirchlich verheiratet, da hört sich die missionarische Handlung auf. Der "Kurier" hat "NEWS" die Story von der im Oktober stattfindenden Hochzeit - oder auch nicht - weggeschnappt, konnte aber Mittwoch zwischen vier Fotos des Paares im Wesentlichen nur feststellen: Karl-Heinz Grasser klebte bei der Modewoche in der Mailänder Börse an seinem Liebchen Fiona Swarovski, tätschelte ungeniert ihren Popo und beschmuste sie wie ein frisch verliebter Teenager.

Das war dem seriösen Fellner-Blatt doch zu ungeniert. Es konzentrierte sich auf Fakten, wie dass einerseits der 22. Oktober als Hochzeitstermin des Traumpärchens ruchbar geworden, andererseits mittlerweile der Termin zwar in Abrede gestellt worden sei, keinesfalls aber die dringende Tatabsicht. Auf so viel Gewissheit gestützt, stellte "NEWS" einigen Experten nicht die zehn Fragen zur Hochzeit, wie im Inhaltsverzeichnis versprochen, sondern nur acht, aber die hatten es in sich.

Eine Frage bekam Johannes Huber, Hormonpapst. Mama Fiona: Muss sie ihren Lifestyle ändern? Das war leicht. "Als Frau über 40 sollte sie während der Schwangerschaft wegen der erhöhten Gefahr von Thrombose und Infektionserkrankungen möglichst wenig fliegen." Mehrere Fragen kreisten um die künftige Versorgung des Ministers. Schließen KHG und Fiona einen Ehevertrag ab? Ein Promi-Anwalt geht davon aus, dass wegen der ungleich verteilten Reichtümer die Vermögenstrennung sogar einen ganz zentralen Stellenwert erhalten wird. Schade für Karl-Heinz!

Besser sieht es bei der Frage aus: Hat Grasser Anspruch auf Taschengeld? Das könnte aber Herbst 2006 schlagend werden, die Antwort ist daher beruhigend: "Ja, gerade wenn sie bedeutend mehr verdient als er, muss sie ihm genau dann Unterhalt zahlen, wenn der Stil der bisherigen Lebensführung aus seiner Warte gefährdet ist." Aber was passiert, wenn KHG Papa und Hausmann wird? Das sollte er tun! "Bei der Annahme, dass die beiden noch ein Kind bekommen und Grasser Hausmann wird, hätte er Anspruch auf etwa 17 Prozent des Netto-Familieneinkommens." Dafür kann er schon ihren Popo tätscheln, ungeniert, wie ein verliebter Teenager.

Die schwerste Frage bekam wieder einmal Rotraud Perner. Heißblütige Fiona: Wie kann KHG sie zähmen? Wie schafft es Grasser bei Fionas überschäumendem Temperament ("Ich bin ein ungezähmtes Pferd!"), sein Eheglück zu konservieren? Kein Problem für die Psychotherapeutin.

"Grasser muss vor allem eines machen - seine eheliche Beistandspflicht auf die Vermehrung des Ansehens von Fiona als Managerin konzentrieren." Klartext: Er muss darauf schauen, dass nicht immer er beruflich im Vordergrund steht. Das könnte sich schon bald machen lassen. Vielleicht kann er ihr zu einer Homepage verhelfen. Das würde das Ansehen von Fiona als Managerin zweifellos vermehren. (DER STANDARD, Printausgabe, 8./9.10.2005)

Von Günter Traxler
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