Ärger um Nadal - Jungstar sagt ab

9. Dezember 2005, 10:32
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Absage nach Zusage, offizieller Grund ist eine Knieverletzung - Turnierdirektor Leo Huemer war erbost

Wien - In der Wiener Stadthalle hat es am Freitag, es war um die Mittagszeit, ganz laut "plumps" gemacht. Leo Huemer, dem Turnierdirektor, sind nämlich all die Felsen, die er mit sich herumgeschleppt hat, runtergefallen. Und es stellte sich das "schöne Gefühl der Erleichterung" ein. Dem 70-jährigen Huemer ist dieses Szenario nicht fremd, wer seit 31 Jahren einer Tennisveranstaltung vorsteht, ist Kummer gewöhnt. Kollege und Nachfolger Peter Feigl zeigte sich entsetzt und sprach vom "größten Affront in der Geschichte des Turniertennis gegenüber einem Veranstalter".

Für die Befreiung sorgte die Kunde, dass sich Rafael Nadal entschlossen hat zu erscheinen. Sein Management ersuchte um ein Erstrundenspiel am Mittwoch, dieser Bitte wurde natürlich nachgekommen. Selten hatte ein Wunsch so wenig mit einem Befehl zu tun gehabt wie dieser. Nadal war zuletzt nicht erreichbar, man vernahm auf seiner Homepage einen gewissen Unmut darüber, für Wien einen Vertrag unterschrieben zu haben. Im spanischen Fernsehen sprach er von Müdigkeit und davon, dass er eine längere Pause benötige. Huemer war irritiert. "Man ist ohnmächtig, es geht um die eigene Glaubwürdigkeit." Der als Nummer zwei gesetzte Argentinier Guillermo Coria hatte unmittelbar vor Nadals Zusage abgesagt. Aus "medizinischen Gründen", hieß es.

Fünf Stunden später, es war knapp vor 17 Uhr, musste sich Huemer die abgefallenen Felsen wieder aufladen. Und noch ein paar größere dazu, es war ein richtiges Gebirge. Denn Manager Carlos Costa hatte sich telefonisch gemeldet und erklärt, Nadal sei wirklich nicht in der Lage, in Wien zu arbeiten. Wegen einer Knieverletzung sei das unmöglich und die Absage sei eine definitive. Huemer war fassungslos, geschockt und wütend zugleich: "Ein Skandal, das muss Folgen haben. Ich fühle mich gefrotzelt. Ich lasse mich von der ATP nicht mehr abwimmeln, die Knieverletzung ist absurd. Der Schaden ist nicht zu bemessen. Alles war auf Nadal aufgebaut. Wir haben die Glaubwürdigkeit verloren, stehen nun als Deppen da."

Huemer meinte noch, "dass es ohne Stars nicht geht. Im Tennis gibt es drei ganze und zwei halbe." Andre Agassi, Roger Federer und Nadal zählen voll, Andy Roddick und Lleyton Hewitt ergeben gemeinsam den vierten. Seit der Einführung der Rankings "werden Nummern angeboten. Aber es gibt viele Nummern, die für einen Veranstalter keinen Wert haben." Wien hat diesmal nur Nummern anzubieten, der Argentinier David Nalbandian ist die niedrigste, also topgesetzt.

Die Trophy hat lange vor Nadals Absage die Eintrittspreise gesenkt, "um die Laufkundschaft anzusprechen". Heimische Helden habe man momentan nicht anzubieten, "dazu sind die Leistungen von Jürgen Melzer und Stefan Koubek zu unbeständig".

Vor dem am Montag beginnenden Hauptbewerb vergnügen sich am Samstag und am Sonntag die Herren Thomas Muster, Goran Ivanisevic, Petr Korda und Michael Stich. "Das zieht wenigstens ", sagt Huemer, und er ist sich der Tatsache bewusst, "dass es dabei nicht um Sport, sondern um die Befriedigung nostalgischer Gefühle geht".

Der Direktor glaubt nun an eine recht verpatzte Jubiläumsausgabe. Seit dem Felssturz, der gar keiner war. Als Konsequenz der Absage Nadals rückte der spanische Vorjahressieger Feliciano Lopez als Nummer acht in den Gesetzten-Status nach. (Christian Hackl - DER STANDARD PRINTAUSGABE 7./8.10. 2005)

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