Kopf des Tages: Mohammed ElBaradei

12. Oktober 2006, 14:47
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Der Pharao von Kaisermühlen

Dieses Jahr hat es für Mohamed ElBaradei in sich: zuerst das Gezerre um seine dritte Amtszeit als Generaldirektor der Atomenergiebehörde, mit Happyend, und nun der Friedensnobelpreis für ihn und seine "Agency". Den hatte man ja eigentlich schon voriges Jahr erwartet im Gebäude A im Vienna International Center in Kaisermühlen, wo die IAEO beheimatet ist und der sympathische Ägypter im 28. Stock residiert.

Völlig unerwartet – denn normalerweise ereilt einen ja vorher ein Anruf aus Oslo – sei denn auch die Nachricht gewesen, die er gemeinsam mit seiner Frau Aida aus dem Fernsehen vernommen habe, worauf ein großes "hugging and kissing" (Umarmen und Küssen) angehoben habe:‑ O-Ton ElBaradei bei der Pressekonferenz am Freitag. Und keiner der Journalisten fragte, was einen IAEO-Generaldirektor veranlassen könnte, am Freitagvormittag um elf zu Hause mit seiner Frau vor dem Fernseher zu sitzen?

Aber es sei ihm vergönnt, das Frühstücksfernsehen und der Nobelpreis: Die IAEO hat ihm viel zu verdanken, allerdings waren eben auch die Zeitläufe danach, dass in den vergangenen Jahren das Profil des "nuklearen Wachhunds" ständig stieg. ElBaradeis aufrechte Auftritte im UNO-Sicherheitsrat vor dem Irakkrieg 2003 brachten ihn in alle Wohnzimmer der Welt: Damals zog er sich den Respekt vieler zu – sowie den Unmut der USA, die ihm immer wieder einmal zu große Milde mit Atomsündern vorwerfen.

Jedenfalls ist ElBaradei bestimmt einer der berühmtesten Wiener der Welt: So darf man jemanden schon nennen, der seit 1984 in dieser Stadt wohnt. In der IAEO war er Rechtsabteilungschef und später Vizegeneraldirektor für Äußere Beziehungen, bis er 1997 Hans Blix – mit dem er übrigens die Liebe zu Teppichen teilt – beerbte.

Von der Ausbildung her ist der aus besten Kreisen stammende Kairiner ein Jurist, sein Doktorat hat er in den USA gemacht und dort auch eine Zeit lang Jus gelehrt. Die in der IAEO ungemein beliebte Gattin Aida Elkachef hat bis vor Kurzem im Kindergarten der Vienna International School unterrichtet: Sie ist wohl die Antwort auf die Frage, was diesen Mann bei all den Belastungen im Gleichgewicht hält. Eine Quelle des Stolzes sind die erwachsenen, in London lebenden Kinder: Laila ist ebenfalls Juristin, Mustafa hat Biotechnologie studiert, beschäftigt sich aber auch mit Tontechnik. Der Papa ist ebenfalls hochmusikalisch: Musik – vor allem E-Musik des 20. Jahrhunderts – hat er wiederholt als enorm wichtig in seinem Leben bezeichnet.

Zuletzt vielleicht noch Folgendes: Der derzeitige Stand der Cockerspaniel-Population im Hause ElBaradei konnte nicht erfragt werden, schließlich wurde man ja auch von der Nobelpreisnachricht eher überrascht. (DER STANDARD, Printausgabe, 08./09.10.2005)

Von Gudrun Harrer
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    Friedensnobelpreisträger: Chef der Atomenergiebehörde Mohamed ElBaradei.

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