Zwischen Absoluter und Absoluterl

9. Oktober 2005, 16:16
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Wahlkampf der Bisserl-ative - Schmiedl lieferte Schmied ein "Schlammschlachterl" - Analyse mit Infografik

Burgenlands SPÖ will, was alle anderen verhindern wollen: die absolute Mehrheit. Als Ziel setzt sie sich allerdings nur das 18. Mandat. Und das wäre dann immerhin ein Absoluterl.

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Eisenstadt – Mag sein, der kleine Wähler von der Straße hätte es noch länger durchgehalten, den Wahlkampf Wahlkampf sein zu lassen. Man gewöhnt sich schließlich sogar an die unzähligen Plakate, die den Autofahrern bei der Kreuzung die Sicht verstellen.

Was Wahlkämpfen generell eine zeitliche Grenze setzt, ist die psychische Toleranz der Manager, die sich nach und nach ja ein wenig ins Alienhafte wandeln. Das ist im Burgenland nicht anders.

Drei, zwei, eins

Einer der Wahlzampanos berichtet zum Beispiel davon, seit einiger Zeit schon in aller Herrgottsfrüh zu erwachen und umgehend alle verfügbaren Zeitung zu lesen, während er schon auf den Anruf des Ko-Zampanos wartet, der um halb sechs oder sechs auch verlässlich kommt. Seinem Kollegen von der Gegenpartei ist unlängst aufgefallen – so erzählt er es einigermaßen schockiert –, dass er selbst im Gespräch mit Freunden dazu neigt, in den Ton seiner Presseaussendungen zu verfallen, in dem dann alles "modern" und "zukunftsorientiert" ist. Und beide zählen hoffnungsvoll die Tage: drei, zwei, eins, Sonntag, 9. Oktober, Wahl und vorbei.

Schlammschlachterl

Die kleinen Verhaltensauffälligkeiten der Wahlstrategen spitzten sich in der vergangenen Woche, wenn schon nicht zu einer Schlammschlacht, so doch zu einem Schlammschlachterl zu. Klagsdrohungen gingen hin und her, Widerrufe und Ehrenerklärungen wurden verlangt und verweigert. Am Montag wird man die bis dahin angefallenen Causen bei einem Achterl besprechen und beilegen, denn dann ist wieder Alltag im Burgenland. Wie der politisch zusammengewürfelt sein wird, ist im Grunde absehbar.

Absolute scheint in Griffweite

Alle Umfragen sahen die SPÖ zulegen, die Absolute scheint zumindest in Griffweite, auch wenn Landeshauptmann Hans Niessl als Wahlziel stets nur das 18. Mandat vorgegeben hat. Das wäre im 36er- Landtag dann ein Patt, quasi ein Absoluterl, denn ohne die SPÖ ginge dann nichts. (Im derStandard.at-Chat reichte Niessl für einen "Erfolg" ein bescheidenes "Plus".)

"Freies Spiel der Kräfte"

Bisher herrschte im burgenländischen Parlament das "freie Spiel der Kräfte". Im Fall der Bank Burgenland haben die sich auch spielend gegen die SPÖ verschworen und so im August den Verkauf an Mirko Kovats verhindert.

Dieses "freie Spiel der Kräfte" ist auch der finale Wahlslogan der ÖVP: "Gegen die rote Übermacht!" Die Zuspitzung auf die Verhinderung der Absoluten sei, geben die Strategen zu, eine Gratwanderung. Zwar habe man erhoben, dass die Mehrheit der Burgenländer keine solche Dominanz einer Partei wolle. Ob die ÖVP- Plakate der ÖVP helfen werden, bezweifeln einige auch in der eigenen Partei. Es sei wie mit dem Schmied und dem Schmiedl, der in diesem Fall die ÖVP ist.

Das dritte Mandat

Dem Wahlkampf von Grünen und FPÖ kommen die schwarzen Slogans durchaus recht. Die FPÖ plakatiert die Formel "rot=schwarz", die Grünen werden von Anfang an von zwei Dinosaurierkarikaturen – die eine rot, die andere schwarz – begleitet. Die kleinen Oppositionsparteien haben auch das gleiche Ziele: das dritte Mandat. Dazu wären knapp acht Prozent der Stimmen nötig, die Umfragen orteten beide bei bis zu fünf.

Keine Konkurrenz durch BZÖ

Ein steirisches Schicksal droht der FPÖ im Burgenland wohl nicht. Erstens fehlt hier die Konkurrenz durchs BZÖ und zweitens die Grundmandathürde. Wer landesweit auf vier Prozent kommt, schafft den Sprung in die Volksvertretung. Das gelang der FPÖ unlängst sogar bei einer Probewahl in einem Eisenstädter Gymnasium. Die Grünen kamen dort auf 36 Prozent, die SPÖ auf 32, die ÖVP auf 28.

Ein bisserl anders wird es am Sonntagabend aber schon ausschauen. (DER STANDARD, Printausgabe 8./9.10.2005)

Von Wolfgang Weisgram
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    Die wahlwerbende Politikerfamilie: Grete Krojer (führte Van der Bellen und Glawischnig durchs Schilf).

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    Hans Niessl (lachte ein bisserl mit Gusenbauer).

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    Franz Steindl (kämpfte mit Schüssel und dieser für ihn. Ein bisserl.)

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    Johann Tschuertz (zeigte Kontur mit Strache).

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  • Kräfteverhältnisse seit 1945
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