Manner droht mit Absiedlung der Produktion aus Wien-Hernals

14. Oktober 2005, 13:46
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Grund dafür sind Pläne des Bundesdenkmalamtes, den Backsteinbau unter Denkmalschutz zu stellen - Derzeit wird verhandelt

Wien - Der börsenotierte Wiener Süßwarenhersteller Josef Manner & Comp. AG überlegt, die Produktion aus dem historischen Firmengebäude in Wien-Hernals abzusiedeln. Grund dafür sind Pläne des Bundesdenkmalamtes, den Backsteinbau unter Denkmalschutz zu stellen. Wie die Tageszeitung "Kurier" am Freitag berichtete, geht es um die Arbeitsplätze von fast 500 Mitarbeitern.

"Es ist sowieso erstaunlich, dass wir es bis jetzt geschafft haben, einen Zustand wie vor 100 Jahren zu halten - unter Denkmalschutz ist aber Schluss für einen modernen Betrieb", so Firmenchef Carl Manner. Prokurist Herbert Tichy sieht darin "praktisch eine Teilenteignung". Als "wenig rational" stuft dagegen Barbara Neubauer, Wiener Landeskonservatorin, diese Ängste ein: "Ein voller Betrieb kann auch unter Denkmalschutz gewährleistet werden."

Produktion in Hernals

Das für seine Neapolitaner-Schnitten bekannte Unternehmen betreibt in Hernals die Produktion von Waffeln, Keksen, Biskotten und Lebkuchen. Das Gebäude wurde nach Firmenangaben bereits vor dem ersten Weltkrieg bis zur heutigen Größe ausgebaut. Weitere Manner-Standorte befinden sich in Wolkersdorf in Niederösterreich sowie in Perg in Oberösterreich.

Sollte die Fabrik der Josef Manner & Comp. AG in Wien-Hernals unter Denkmalschutz gestellt werden, könnte das börsennotierte Süßwarenunternehmen die Produktion im schlimmsten Fall sogar ins Ausland übersiedeln, sagte Prokurist und Unternehmenssprecher Otto W. Riedl am Freitag zur APA. Die Wiener Stadtverwaltung will den Traditionsbetrieb in Wien halten und spricht sich gegen den Denkmalschutz für die Fabrik aus.

Übersiedelung innerhalb Österreichs

"Im Prinzip wollen wir natürlich hier bleiben", betonte Riedl. Dafür müssten aber vernünftige Produktionsbedingungen garantiert bleiben. Sollte das nicht der Fall sein, denkt man in erster Linie an eine Übersiedlung innerhalb Österreichs, wo Manner ja schon jetzt zwei weitere Standorte betreibt. Doch auch weitergehende Schritte sind nicht ausgeschlossen: "Wir würden im schlimmsten Fall auch das Ausland in unsere Überlegungen einbeziehen", so Riedl. Ein Alternativstandort auf Wiener Boden schloss er schon wegen der Verkehrsproblematik aus.

Dass man gegen die Unterschutzstellung sei, bedeute nicht, dass man die "Familienerbschaft" des historischen Gebäudekomplexes nicht pflege, beteuerte der Manner-Sprecher. Das denkmalpflegerische Engagement der Firma sei im übrigen schon daran abzulesen, dass man seit 28 Jahren einen Steinmetzposten für den Stephansdom bezahle.

Derzeit wird verhandelt

Noch laufen allerdings die Verhandlungen, und eine Entscheidung sei bei weitem noch nicht gefallen, so Riedl. Unterstützung erhält Manner unterdessen vom Wiener Planungsstadtrat Rudolf Schicker. "Für die Stadt ist es wichtig, dass traditionelle Betriebe ihren Standort in Wien erhalten und damit auch Arbeitsplätze gesichert werden. Erstaunlich ist, dass gerade das Denkmalamt - wie bereits beim Hotel Sacher - hier erneut versucht, gegen die Interessen von Wiener Traditionsunternehmen zu agieren. Für Wien ist jedenfalls klar, dass es Firmen wie Manner auch künftig möglich sein muss, ihren Produktionsbetrieb auf modernstem Standard halten können", erklärte er in einer Aussendung.

Im Denkmalschutzverfahren für die Fabrik hat die Stadt auch eine entsprechende ablehnende Stellungnahme abgegeben. "Die Sicherung der Arbeitsplätze ist generell und speziell für die unmittelbare Umgebung sehr bedeutsam. Dem entsprechend ist die aktuelle und zukünftige betriebsstrukturelle Anpassungsfähigkeit zur Erhaltung des Betriebsstandortes ein wichtiger Aspekt, der sich ja am Gebäudebestand für die Vergangenheit ebenfalls ablesen lässt. Unter diesem Ziel der Erhaltung eines intakten Betriebes mitsamt seiner baulichen Betriebsanlage muss jedenfalls die ausreichende Anpassungsfähigkeit an die betrieblichen Erfordernisse oberste Priorität genießen", heißt es darin. (APA)

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