Interview: Vanek-Coach Lindy Ruff

8. Oktober 2005, 16:38
posten

Langzeit-Cheftrainer nimmt Druck von Stürmer-Talent; "Einziger Druck ist der, den er sich selbst macht"

Buffalo - Lindy Ruff ist seit über acht Jahren Cheftrainer der Buffalo Sabres und damit der am längsten dienende Headcoach der National Hockey League (NHL). Seit einigen Wochen ist er auch sportlicher Chef von Thomas Vanek. Im Interview mit der APA sprach der erfolgreichste Sabres-Trainer der Geschichte, der Buffalo 1998/99 bis ins Stanley-Cup-Finale geführt hat, über die Entwicklung von und Erwartungen an den 21-jährigen Steirer, der am Mittwoch beim 6:4-Erfolg über die New York Islanders sein NHL-Debüt mit einem Assist gefeiert hatte.

Wie sind Sie mit der Leistung von Vanek in seinem ersten NHL-Spiel zufrieden?
Ruff:
"Für seine erste Partie hat er gut gespielt. Er gab ein super Zuspiel zum Tor von Afinogenow und war bei einigen Chancen involviert. Er war ziemlich entspannt für sein erstes Spiel."

Vanek selbst hat sich mehr erwartet.
Ruff:
"Er hat hohe Erwartungen, das ist gut. Wenn man nicht zufrieden ist nach einem Sieg, ist das ein gutes Zeichen. Jeder Spieler sollte sich immer mehr erwarten."

Überall, wo Vanek hin kam, wurden hohe Erwartungen in ihn gesetzt. Auch in Buffalo hat er in der Vorbereitung überzeugt. Wie sehen Sie seine Situation?
Ruff:
"Bei uns ist er nicht der, auf dem die Verantwortung lastet. Vanek ist der, der dorthin kommen kann. Er und wir erwarten, dass er produktiv ist, aber der einzige Druck ist der, den er sich selbst macht, der Beste sein zu wollen."

Im Powerplay wurde er aber öfter erwartet.
Ruff:
"Er ist ein Rookie. Er hat sein Powerplay bekommen, aber andere sind da, die die Verantwortung tragen. Er ist schon ein Schlüsselspieler, aber die Verantwortung tragen andere wie Briere, Drury oder Afinogenow. Verdiente Spieler. Wir brauchen alle Spieler, nicht nur einen Mann. Die Liga ist zu gut, wenn du dich nur auf einen Spieler konzentrierst, würde der aufgeschnupft werden.

Sie haben schon vor dem Lockout gesagt: Thomas könnte uns bereits helfen. Jetzt hat er eine Saison in der AHL bei den Rochester Americans absolviert. Wie sehen Sie seine Entwicklung?
Ruff:
"Ich habe mit ihm in Rochester viel gearbeitet, auf dem Eis und mittels Video. Er hat gewaltige Fortschritte gemacht. Wir haben ihm im Sommer ein Programm mitgegeben. Wir wollten, dass er schneller wird, weil jetzt geht es vor allem ums Eislaufen. Er hat auch Kraft aufgebaut und Gewicht abgebaut."

Hatte er Probleme mit dem Gewicht?
Ruff:
"Im ersten Trainingscamp hatte er nicht das richtige Gewicht. Aber das ist bei jungen Spielern normal. Du musst den Body-Fat-Index von über 12 auf unter 10 bringen, das ist ideal. Unser Spielplan erlaubt es nicht, dass du Übergewicht hast. Jedes Pfund zu viel kostet Geschwindigkeit."

Hat ihm der Lockout also vielleicht gut getan?
Ruff:
"Ja. Er konnte sich auf eine Mannschaft konzentrieren. Die AHL war in der Vorsaison eine sehr gute Liga, das war ein guter Aufbau für ihn."

Kommen Vanek auch die neuen Regeln entgegen?
Ruff:
"Die sind sicher gut für Thomas. Er kann den Puck gut abdecken und ist gut darin, vor dem Tor die Scheibe zu bekommen. Die Regeln helfen ihm und uns als Mannschaft."

Sie sind der erfolgreichste Coach der Sabres und der am längsten dienende in der NHL. Macht Sie das stolz?
Ruff:
"Ja, da bin ich stolz. Aber wir hatten gute und schlechte Zeiten. Wie heißt die ewige Show: Überlebenskampf."

Sind denn die Medien in Buffalo besonders hart?
Ruff:
"Das ist eine Untertreibung. Aber ich lese keine Zeitung, höre kein Radio und schaue kein Fernsehen. Ich habe vier Kinder, da komme ich gar nicht dazu."

  • Ruff im schwarzen Anzug.

    Ruff im schwarzen Anzug.

Share if you care.