Ein schwedischer Preis, der in Norwegen verliehen wird

13. Oktober 2006, 13:41
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Weshalb Alfred Nobel den Friedensnobelpreis "auslagerte"

Stockholm - Fünf Nobelpreise werden jedes Jahr in Schweden vergeben, aber der angesehenste, der Friedensnobelpreis, im benachbarten Norwegen. Weshalb das so ist, hat der Stifter der Preise, der schwedische Forscher und Großindustrielle Alfred Nobel, in seinem Testament nicht erklärt - möglicherweise hatte er schlicht mehr Vertrauen in das norwegische Parlament (Storting). (Norwegen war damals noch - bis 1905 - in Personalunion mit der schwedischen Krone verbunden).

Mit der Stiftung der Nobelpreise wollte Nobel (1833-1896) einen Konflikt lösen, der sein ganzes Leben bestimmte. Der Erfinder des Dynamits konnte nicht verwinden, dass seine Entdeckung für den Krieg missbraucht wurde. Als "Wiedergutmachung" vermachte er sein Vermögen einer Stiftung, aus deren Zinsen Preise für jene finanziert werden sollten, die "im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben".

Das Ritual beginnt jedes Jahr im Oktober mit der Zuerkennung und endet am 10. Dezember - Nobels Todestag - mit der feierlichen Überreichung der Auszeichnungen. In der Regel übergibt der norwegische König in Oslo den Friedenspreis, der schwedische König in Stockholm die übrigen Auszeichnungen. Die Preisträger für Physik und Chemie werden von der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften, die der Medizin vom Karolinischen Institut in Stockholm und die Literaturpreisträger von der Königlichen Schwedischen Akademie der Künste ausgewählt.

"Der 'Storting' hatte die meisten Friedensinitiativen und hatte sich in der Friedensbewegung sehr stark hervorgetan." Vielleicht habe Nobel mit seiner Wahl anerkennen wollen, dass Norwegen seinerzeit "eine demokratischere Verfassung" als Schweden hatte, meint Michael Sohlman, Enkel von Nobels Nachlassverwalter Ragnar Sohlman.

Möglicherweise habe Nobel Schweden und das Nachbarland als Ganzes betrachtet, weil die beiden Reiche seit 1814 in einer Union vereint waren, meint der Sekretär des Nobelkomitees, Geir Lundestad. "Alfred Nobel hatte wahrscheinlich das Gefühl, dass Norwegen und Schweden ein einziges Land sind", als er in Paris sein Testament geschrieben habe. "Dann wäre es normal gewesen, dass der 'Juniorpartner' Norwegen auch einen Preis vergibt. Schweden führte im Bereich der Wissenschaften und bekam die Wissenschaftspreise. Norwegen bekam den Friedenspreis." (APA)

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