Leichte Beute

21. November 2005, 14:08
1 Posting

Der Pleitegeier wird heuer zu einem neuen Höhenflug ansetzen, besonders betroffen sind Familienbetriebe - von Monika Bachhofer

Jeden Tag sperren in Österreich dreißig Unternehmen zu. Damit wird der Pleitegeier heuer zu einem neuen Höhenflug ansetzen und sich aller Voraussicht nach auf dem Spitzenplatz der europäischen Insolvenzstatistik einnisten. Auch wenn die Hoffnung bekanntlich zuletzt stirbt, können sich nur unverbesserliche Optimisten beim aktuellen Pleiten-Plus von 17,7 Prozent ein baldiges Aussterben des Vogels vorstellen.

Besonders alarmierend: Viele der betroffenen Firmen sind Familienbetriebe und/oder kleine und mittlere Unternehmen, die 99,6 Prozent der heimischen Betriebe stellen.

Ihnen hat die Regierung einerseits das Leben in den vergangenen Jahren - etwa durch die Abschaffung steuerlicher Investitionsbegünstigungen - nicht leicht gemacht; andererseits können viele das Wort "Krisenprävention" aber nur vom Weghören gekannt haben. Wenig verwunderlich ist, dass nun immer mehr erfahrene Sanierer Alarm schlagen. Wie Wanderprediger fordern sie den Abbau von Realitätsängsten gerade bei den Chefs von Familienunternehmen, die oft seit Jahrzehnten Jobs schaffen, über ein hohes Maß an sozialer Verantwortung verfügen und Nachhaltigkeit anstreben. Doch genau diese Glücksfälle für die Wirtschaft mauern sich in Krisenzeiten oft reflexartig ein, treffen einsame, betriebswirtschaftlich unlogische Entscheidungen und wollen von neuen Finanzierungsformen, wie etwa Private-Equity-Fonds, und von Kooperationen nichts wissen - um im Übrigen auf bessere Zeiten zu warten.

Freilich ist dieses Phänomen in Österreich nicht neu. Ein Beispiel für viele: der Gründer der Skifabrik Atomic, Alois Rohrmoser, der alle - auch firmeninterne - Warnungen in den Wind schlug und bis zum bitteren Ende an seinem Status als Patriarch eines Einzelunternehmens festgehalten hat. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.10.2005)

Share if you care.