EZB sieht keinen Anlass zur Zinserhöhung

7. November 2005, 14:14
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Sorge über hohe Inflation - Rohöl dürfte laut EU-Kommission auch im nächsten und übernächsten Jahr über 60 Dollar je Fass kosten -

Athen/Frankfurt - Die Europäische Zentralbank (EZB) ist besorgt über die hohe Inflation im Euro-Raum, sieht aber keinen Anlass zu einer Zinserhöhung. Trotz der stark gestiegenen Teuerungsrate ließ der Rat der Notenbank den Leitzins am Donnerstag unverändert auf dem historisch niedrigen Niveau von 2,0 Prozent.

"Starke Wachsamkeit ist erforderlich", sagte EZB-Präsident Jean- Claude Trichet nach der Sitzung in Athen. "Es ist wichtig, dass sich der kurzfristige Anstieg der Inflation nicht in einen höheren Inflationsdruck umwandelt." Derzeit heizten fast ausschließlich die Öl- und Energiepreise die Teuerung an.

Die EZB rechnet ebenso wie die EU-Kommission damit, dass die Ölpreise weiterhin hoch bleiben. Rohöl dürfte laut EU-Kommission auch im nächsten und im übernächsten Jahr über 60 Dollar je Fass (159 Liter) kosten. Nach Ansicht der EZB wird daher die Inflationsrate auch in den kommenden Monaten über der kritischen Marke von zwei Prozent verharren. Im September war sie in der Euro-Zone auf 2,5 Prozent geklettert. Wenn man die Preise für Energie, Nahrungsmittel und Tabak herausrechnet, betrug die Kerninflationsrate jedoch nur 1,3 Prozent.

Bei Bedarf Erhöhung

Trichet ließ keinen Zweifel daran, dass die EZB jederzeit bereit ist, die Zinsen anzuheben: "Wir werden uns bewegen, wenn es erforderlich ist - egal wann." Eine Zinserhöhung wollte Trichet aber nicht ankündigen. Die Tarifparteien rief der Ratspräsident dazu auf, maßvolle Lohnerhöhungen auszuhandeln. Ein langfristiges Risiko für stabile Preise könnte auch die wachsende umlaufende Geldmenge sein.

Nach Ansicht von Volkswirten kann die EZB nicht mit steigenden Zinsen gegensteuern, weil die Erholung der Wirtschaft weiter auf sich warten lässt und die hohen Ölpreise die Konjunktur belasten. Niedrige Zinsen und günstige Kredite sollen die wirtschaftliche Erholung unterstützen. Die Notenbank geht davon aus, dass die Wirtschaft nach der Schwächephase im Frühjahr in der zweiten Jahreshälfte wieder deutlich wachsen wird. "Ein Risiko stellen die Ölpreise und das schwache Verbrauchervertrauen dar", sagte Trichet. Die EZB hatte kürzlich ihre Prognose gesenkt und rechnet in diesem Jahr nur noch mit 1,3 statt 1,4 Prozent Wirtschaftswachstum im Euro-Raum.

Der Notenbankrat tagt zwei Mal im Jahr außerhalb von Frankfurt. Im Mai fand das Treffen in Berlin statt. Auch die britische Notenbank ließ am Donnerstag ihren Leitzins wie erwartet unverändert bei 4,50 Prozent. (APA)

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