EZB lässt Leitzins erwartungsgemäß unverändert

7. November 2005, 14:14
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Zinssatz bleibt bei 2,0 Prozent - Verbesserte Konjunkturdaten, rekordhohe Ölpreise und starkes Geldmengenwachstum sorgen aber zunehmend für Sorgen

Athen - Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Leitzinsen in der Euro-Zone wie an den Finanzmärkten erwartet erneut unverändert gelassen. Der für die Refinanzierung der Geschäftsbanken maßgebliche Schlüsselzins betrage weiter zwei Prozent, teilte die EZB am Donnerstag nach ihrer Ratssitzung mit, die dieses Mal in Athen stattfand.

Analysten hatten einhellig mit unveränderten Zinsen gerechnet, erwarteten aber schärfere Inflationswarnungen der EZB als in den vergangenen Monaten.

Die EZB hält den Leitzins schon seit mehr als zwei Jahren auf dem Tiefstand von zwei Prozent, um die Konjunktur zu stützen. Wegen des schwachen Wachstums zögern die Währungshüter mit einer Zinserhöhung. Doch verbesserte Konjunkturdaten, rekordhohe Ölpreise und starkes Geldmengenwachstum dürften die EZB zunehmend beunruhigen.

Deutliche Warnungen

Vom EZB-Rat werden deshalb deutlichere Warnungen vor Preisrisiken erwartet. Die Zentralbank versucht damit, die Inflationserwartungen zu dämpfen, um einen tatsächlichen Preisanstieg zu verhindern.

Trichet wird nach Einschätzung von Analysten aber noch keine Zinserhöhung konkret ankündigen. Die meisten Analysten rechnen damit nicht vor dem zweiten Halbjahr 2006. Am Geldmarkt wurde inzwischen ein Anziehen des Leitzinses um 25 Basispunkte zur Jahresmitte zu hundert Prozent eingepreist.

Vor zwei Wochen noch bemaß sich die Wahrscheinlichkeit dafür auf 30 Prozent. "Jeder wartet auf die EZB-Pressekonferenz - das ist die erste wirklich interessante seit Monaten", sagte ein Zinsfuture-Händler in London. Der Markt rechne mit schärferen Worten.

"Hohe" Wachsamkeit

Analysten vermuteten, die EZB werde vielleicht das Versprechen "besonderer" Wachsamkeit angesichts der steigenden Inflationsrisiken zu "hoher" Wachsamkeit verschärfen.

Damit würde die Zentralbank verdeutlichen, dass sie zu höheren Zinsen bereit ist, sobald sich die Konjunkturerholung stabilisiert und ein Preisanstieg tatsächlich droht. Die Inflationsrate im Euro-Raum war, von hohen Energiepreisen getrieben, im September auf 2,5 Prozent gestiegen.

Die Zentralbank ließ auch den Zinskorridor für den Geldmarkt unverändert. Die Sätze dafür betragen weiter 1,00 Prozent für Übernachteinlagen der Banken bei der EZB und 3,00 Prozent für Übernachtkredite. (APA/Reuters)

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