Staatsanwaltschaft sieht Klärungsbedarf

3. November 2005, 14:48
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Gerichtliche Vorerhebungen eingleitet - Weiterer Mann befand sich in Hungerstreik - Mahnwache abgehalten

Linz - Der Tod des 18-Jährigen Schubhäftlings Yankuba Ceesay beschäftigt ab sofort auch die Staatsanwaltschaft Linz. "Es wurden bereits gerichtliche Vorerhebungen eingeleitet. Wir ermitteln gegen unbekannt wegen des Verdachts der Vernachlässigung eines Gefangenen mit Todesfolge", erklärte Staatsanwalt Dietmar Gutmayer im STANDARD-Gespräch am Donnerstag.

Es gebe zwar keinen konkreten Verdacht, aber es bestehe "natürlich ein gewisser Klärungsbedarf, wenn jemand in Verwahrung stirbt, wo man weiß, dass er seit 28. September im Hungerstreik war und nach Angaben der Polizei regelmäßig medizinisch betreut wurde", erläutert Gutmayer. Auch Innenministerin Liese Prokop (ÖVP) kündigte "eine lückenlose Aufklärung" des Falles an.

Fragen an Ärzte Die Erhebungen, mit denen das Innenministerium beauftragt wurde, sollen laut Gutmayer auch klären, ob "möglicherweise zu spät agiert wurde". Einvernommen werden neben den am Todestag Dienst habenden Polizeibeamten vor allem auch jene Ärzte, die den jungen Schubhäftling kurz vor seinem Ableben am 4. Oktober im Linzer Allgemeinen Krankenhaus untersuchten und für haftfähig erklärten.

Die Beamten brachten daraufhin den 18-Jährigen, der sich während der Untersuchung aggressiv zeigte, zurück in eine Sicherungszelle, wo Ceesay, der nach seinen eigenen Angaben im Asylverfahren aus Gambia stammte, kurz darauf verstarb.

Weiterer Schubhäftling im Hungerstreik

In derselben Zelle befand sich auch ein Nigerianer, ebenfalls seit dem 28. September im Hungerstreik. Offensichtlich um einen weiteren Zwischenfall auszuschließen, wurde dieser Häftling bereits einen Tag nach dem Tod seines Mithäftlings am 5. Oktober in das Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz gebracht. Im Gepäck hatte der Mann da bereits auch ein polizeiliches Haftentlassungs-Schreiben. Am Donnerstag erklärte man vonseiten des Krankenhauses, dass der Mann wieder zu Essen begonnen habe und unmittelbar vor seiner Entlassung stehe.

Die Plattform Zivilcourage - ein Zusammenschluss mehrerer Vereine - rief am Donnerstag zu einer Mahnwache vor der Linzer Polizeidirektion auf. Rund 80 Teilnehmer gedachten mit schwarzen Armbinden, roten Rosen und Grablichtern dem Toten. "Er ist nicht schuldig. Er hat die Freiheit gesucht und ist an Händen und Füßen gefesselt in den Tod gegangen", meinte ein Mann unter Tränen. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD - Printausgabe, 7. Oktober 2005)

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    Bei einer Mahnwache gedachten am Donnerstag nach Angaben des Veranstalters rund 80 Menschen des Schubhäftlings, der am Dienstag in Linz in seiner Zelle gestorben ist.

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