"Wir sind der Hecht im Karpfenteich"

14. November 2006, 16:10
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Vizerektorin Ada im STANDARD-Interview über das Image der Donau-Uni, Weiter­bildung als Heraus­forderung für Staat und Wirtschaft und das Risiko der Nischenbildung

Standard: Unter den heimischen Universitäten galt die Donau-Uni Krems bisher als Mauerblümchen.

Pellert: Einspruch, ich sehe uns als Hecht im Karpfenteich! Man konnte uns lange Zeit nicht einschätzen, weshalb wir ein ambivalentes Image hatten. Mittlerweile hat sich die Beziehung zu den anderen Unis aber gut entwickelt. Sie müssen unternehmerischer denken und wir werden akademischer.

Standard: Statt der bisherigen fünf Abteilungen wird es an der Donau-Uni 15 Departments geben. Die Lehrgänge wiederum sollen zukünftig aus zahlreichen Modulen bestehen. Was bringt diese Aufsplitterung?

Pellert: Durch die stärker fokussierten Departments werden die thematischen Kompetenzen der Donau-Uni sichtbarer. Wenn es etwa darum geht, die EDV-Zentrale eines Krankenhauses zu leiten, kombiniert man passende Module aus IT und Gesundheitsmanagement.

Standard: Besteht nicht die Gefahr, dass durch eine so extreme Spezialisierung die Jobchancen sinken, weil sich der Blick verengt?

Pellert: Dieses Risiko sehen wir auch und beugen der Nischenbildung durch Verknüpfung relativ großer Sparten vor. Im Unterschied zu den relativ monothematischen Business Schools bieten wir ein sehr breites Spektrum von Lehrgängen aus sehr unterschiedlichen Bereichen wie Medizin, Medien oder Wirtschaftswissenschaften an.

Standard: Führt es wirklich zu mehr Übersichtlichkeit, wenn jetzt eine Vielzahl von Einzelmodulen zur Wahl steht?

Pellert: Ja. Unsere Teilnehmer sind schließlich keine unerfahrenen 18-Jährigen, sondern Experten auf ihren Gebieten, die genau wissen, was sie brauchen und wollen.

Standard: Sollte Weiterbildung Aufgabe jedes Einzelnen sein oder von der Gesellschaft gefördert werden?

Pellert: Derzeit wird sie vielfach als individuelle Aufgabe betrachtet, ich finde jedoch, dass die Unternehmen – die ja enorm von besser ausgebildeten Mitarbeitern profitieren – und der Staat sich wesentlich stärker beteiligen sollten. Vor allem die KMUs sind bei der Weiterbildung ihrer Mitarbeiter noch sehr zurückhaltend. Da müsste der Staat geeignete Anreize schaffen, damit Firmen mehr in die Fortbildung investieren können.

Standard: Halten Sie das für ein Anliegen der österreichischen Bildungspolitik?

Pellert: Ja, Lifelong Learning wird zunehmend zu einem wichtigen Thema der Bildungspolitik. Zu Lifelong Learning gehört unbedingt eine bessere Vernetzung zwischen Arbeit, Familie und Beruf. Daher sollten wir weniger über die Beschränkung der Hochschulzugänge diskutieren, sondern mehr über Öffnung und Durchlässigkeit. Generell achtet man hier zu Lande noch viel zu wenig auf Weiterbildung, vor allem mangelt es an berufsbegleitenden Angeboten.

Standard: Inwiefern kommt denn die Donau-Uni berufstätigen Studierenden entgegen?

Pellert: Indem wir den Unterricht geblockt in Wochenmodulen und an Wochenenden organisieren und verstärkt ELearning anbieten, sodass die persönliche Anwesenheit nicht immer erforderlich ist. Und durch die Modularisierung können die Teilnehmer sich die Studienzeit flexibler einteilen als bisher.

Standard: Trotz der idealen geografischen Lage der Donau- Uni fühlen sich auffallend wenige Studierende aus den ehemaligen Ostblockländern angezogen. Sind Maßnahmen geplant, diese Menschen gezielt anzusprechen?

Pellert: Es reicht nicht, Prospekte nach Osteuropa zu schicken. Uns ist der Auftrag Mitteleuropa sehr wichtig, aber wir können ihn nur in Kooperation mit österreichischen Unternehmen erfüllen, die in dieser Region tätig sind und ihre Führungskräfte entwickeln möchten. Hier laufen derzeit Verhandlungen. (DER STANDARD, Printausgabe, 8.10.2005)

Das Interview führte Susanne Rössler

Zur Person

Ada Pellert, geboren 1962 in Bruck/Mur, studierte Betriebswirtschaftslehre an der Wirtschaftsuniversität Wien. Seit dem 1. Februar 2005 ist sie Vizerektorin der Donauuni Krems. 1999 bis 2003 war sie bereits Vizerektorin der Uni Graz. Außerdem ist sie Außerordentliche Professorin an der Universität Klagenfurt.

  • Ada Pellert ist seit Februar Vizerektorin der Donau-Uni Krems.
    foto: standard

    Ada Pellert ist seit Februar Vizerektorin der Donau-Uni Krems.

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