Bahn sammelt Angebote für neue Fernverkehrszüge

3. November 2005, 20:07
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Siemens gibt Offert ab und setzt bei Produktion auch auf VA Tech - Angebote auch von Bombardier, Talgo und spanischer CAF erwartet - TGV-Produzent Alstom sagt ab

Wien - Die ÖBB erhalten heute, Donnerstag, die Angebote für neue Fernverkehrszüge. Die Abgabefrist für die verbindlichen Offerte läuft heute um 15 Uhr aus, bestätigte eine ÖBB-Sprecherin auf APA-Anfrage.

Siemens hat seine Teilnahme an der Ausschreibung von 20 bis 24 neuen Eurocity-Zügen bereits bestätigt. "Wir werden ein Angebot abgeben", sagte ein Konzernsprecher. Das Unternehmen will mit einer für die ÖBB adaptierten Variante des deutschen ICE ins Rennen gehen. Angebote werden in der Branche unter anderem auch von Bombardier sowie den spanischen Herstellern Talgo und CAF erwartet.

Absage von Alstom

Der Industriekonzern Alstom, Erbauer des französischen Hochgeschwindigkeitszuges TGV und des italienischen Pendolino, wird sich dagegen nicht an der Ausschreibung beteiligen, heißt es aus Branchenkreisen. Insgesamt haben demnach zwölf Interessenten die Ausschreibungsunterlagen eingeholt. In der Regel gibt bei derartigen Ausschreibungen rund die Hälfte davon tatsächlich ein Angebot ab.

Die ÖBB wollen in die neuen Züge bis zu 300 Mio. Euro investieren. Grundsätzlich wolle man aber "so günstig wie möglich" einkaufen, erklärt ÖBB-Holding Chef Martin Huber. Ursprünglich hatten die ÖBB für die neuen Zugsgarnituren ein Budget von 230 Mio. Euro vorgesehen.

Teure ICE-Variante

Die ICE-Variante von Siemens, an sich vom ÖBB-Fernverkehrsvorstand im Frühjahr noch präferiert, könnte der Bahn, wie im Sommer berichtet, unter diesem Gesichtspunkt zu teuer kommen, meinen kritische Stimmen innerhalb der Bahn. Bei Siemens rechnet man sich dennoch nach wie vor gute Chancen aus.

Man habe für die ÖBB basierend auf dem bisherigen Schnellzugkonzept einen neuen Zug entwickelt, hieß es aus dem Konzern. Anders als in Deutschland, Frankreich oder Spanien werden die Züge in Österreich nicht mit Hochgeschwindigkeiten von rund 300 km/h, sondern "nur" mit 230 bis 250 Stundenkilometern unterwegs sein.

Auch ein ursprüngliches "Premium"-Konzept mit Luxuszügen und teureren Ticketpreisen haben die ÖBB im Sommer wieder fallen gelassen, die neuen Züge sollen jetzt im herkömmlichen EC-Verkehr eingesetzt werden. Darauf habe man Rücksicht genommen, erklärte der Siemens-Sprecher.

Heimischer Produktionsstandort

Außerdem will Siemens in der Ausschreibung auch seinen österreichischen Produktionsstandort ins Treffen führen. Etwa ein Fünftel der Siemens-Zugfertigung (Transportations) ist bei der früheren SGP in Wien angesiedelt.

Zum ersten Mal will Siemens bei der Ausschreibung dem Vernehmen nach auch die VA Tech-Karte zücken. Die Elin EBG Traction, eine Tochter des im Frühjahr von Siemens übernommenen österreichischen Konzerns, soll in das Angebot integriert werden. (APA)

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