"Ivan Ivanov": Flüchtiger Fälscher verhaftet

7. Oktober 2005, 21:19
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Ein halbes Jahr nach spektakulären Flucht aus der U-Haft in Wien erneut festgenommen - diesmal in Bulgarien

Wien - Wenn Fälscher reisen, dann standesgemäß meist unter falschem Namen. Ivan Ivanov, dem vor einem halben Jahr auf spektakulär einfache Weise die Flucht aus der U-Haft in Wien gelang, soll in Wahrheit Dimitri Dimitrowitsch K. heißen, Ukrainer und 44 Jahre alt sein. Vorausgesetzt, die Personalien des Mannes, der nun in Bulgarien verhaftet wurde, sind diesmal richtig.

Capo einer internationalen Bande

Aber Herwig Haidinger, Direktor des Bundeskriminalamtes (BK), zeigte sich am Donnerstag ziemlich sicher: Ivanov ist Dimitrowitsch, der mutmaßliche Chef einer internationalen Bande, die Österreich in der Vergangenheit mit allen erdenklichen Fälschungen, die mittels Computer und Offsetdruckmaschine hergestellt werden können, überschwemmt hat.

Wie berichtet, war der Verdächtige am 13. April aus dem Wiener Landesgericht entkommen. Ein - wie könnte es anders sein - falscher Rechtsbeistand hatte ihm Anzug und Krawatte in den Besprechungsraum in der Justizanstalt Josefstadt geschmuggelt. Derart "in Schale" gelang es dem U-Häftling, unbehelligt die Kontrollen nach draußen zu passieren.

Insgesamt 15 Personen festgenommen

Der peinliche Vorfall dürfte den Eifer der Ermittlungen angekurbelt haben, immerhin galt der Entkommene als große Nummer im Fälschergeschäft, allein bei seiner ersten Verhaftung hatte er Blüten im Gegenwert von 100.000 Euro bei sich. Die Taskforce im Bundeskriminalamt schaltete Europol und die bulgarischen Behörden ein. Mit Erfolg. Für K. klickten Mittwoch in einer kleinen Ortschaft bei Plovdiv die Handschellen. Insgesamt wurden 15 Personen festgenommen, sieben davon in Österreich.

Bei dutzenden Hausdurchsuchungen in beiden Ländern wurden "kübelweise" gefälschte Ausweise, Dokumente, Kreditkarten und auf gefälschte Identitäten angemeldete Mobiltelefone sichergestellt, erklärte Haidinger und präsentierte einen Teil des Beweismaterials. Als eines der beschlagnahmten Handys überraschend läutete, war klar was der BK-Chef mit "die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen" meinte.

Fachtagung

Der Fahndungserfolg passt ausgezeichnet zur derzeit im BK stattfindenden Fachtagung über Strategien gegen Fälscher. Um den kriminellen Aufwand zu demonstrieren, wurde die Amtsdruckerei, wo sonst unter anderem Strafzettel gedruckt werden, kurzerhand zur Fälscherwerkstatt. Scanner, Computer und Offsettdruckmaschine gehören zur rund 70.000 Euro teuren Grundausstattung.

Da in Bulgarien noch keine derartige Fälscherwerkstatt gefunden werden konnte, befürchten die Behörden, dass bald Blütennachschub kommen wird. Im ersten Halbjahr 2005 zog die Oesterreichische Nationalbank 4247 gefälschte Euro-Banknoten im Nennwert von rund 450.000 Euro aus dem Verkehr - um 45 Prozent weniger als im Vorjahr. (Michael Simoner, DER STANDARD - Printausgabe, 7. Oktober 2005)

  • Falscher Fälscher. In der Amtsdruckerei der Polizei wurde demonstriert, wie im Offsetverfahren Blüten hergestellt werden.
    foto: standard/cremer

    Falscher Fälscher. In der Amtsdruckerei der Polizei wurde demonstriert, wie im Offsetverfahren Blüten hergestellt werden.

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