Neue Durchsuchungen in der Yukos-Affäre

7. November 2005, 14:36
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Moskauer Staatsanwaltschaft sucht Beweise für Veruntreuungen

Moskau - In der Affäre um den Ölkonzern Yukos hat die russische Justiz neue Durchsuchungen vorgenommen, um auf die Spur von veruntreuten Geldsummen früherer Angestellter des Unternehmens zu kommen. In Moskau wurden die Büros von mehreren Finanzinstitutionen und Anwaltsbüros durchsucht, wie die Moskauer Generalstaatsanwaltschaft am Mittwoch mitteilte.

Den Angaben zufolge sollen führende Yukos-Mitarbeiter in den Jahren 2000 bis 2003 umgerechnet fast sieben Milliarden Dollar (5,9 Milliarden Euro) unterschlagen haben. Der Gründer des Ölkonzerns, Michail Chodorkowski, sitzt zurzeit wegen Steuerhinterziehung und Betrugs in Haft.

Zahlreiche Dokumente beschlagnahmt

Laut Staatsanwaltschaft wurden die Räume der Anwaltskanzlei ALM Feldmans, der Trust Investitions- und der Trust Nationalbank durchsucht. Dabei seien zahlreiche Dokumente beschlagnahmt worden. Nach Angaben einer Yukos-Sprecherin in London wurde auch die Räume einer Tochtergesellschaft des Konzerns in den Niederlanden durchsucht.

Über den Grund für die Durchsuchung sei nichts mitgeteilt worden, sagte sie. Die spanischen Behörden hatten im März bei einer Aktion in Marbella einen Kriminellen-Ring zerschlagen, der aus dem Yukos-Konzern stammende große Geldsummen zu einer niederländischen Firma abgezweigt und dann zu einem spanischen Ableger der Firma weitergeleitet hatte.

Neun Jahre Haft

Yukos-Gründer Chodorkowski war am 31. Mai wegen Steuerhinterziehung und Betrugs zu neun Jahren Haft verurteilt worden. Das Strafmaß wurde im Berufungsverfahren im September um ein Jahr reduziert.

Westliche Politiker sprachen von einem politischen Prozess, weil Chodorkowski Oppositionsparteien sowie Bürger- und Menschenrechtsgruppen finanziell unterstützt und sich offen gegen die Politik von Präsident Wladimir Putin gestellt hatte.

Nach der Festnahme Chodorkowskis im Oktober 2003 ging es mit Yukos bergab: Im Dezember 2004 wurde das Tochterunternehmen Yuganskneftegas an die bis dahin weitgehend unbekannte Firma Baikalfinansgruppe zwangsversteigert. Diese wurde wenig später vom staatlichen russischen Ölkonzern Rosneft übernommen.

Die Yukos-Anwälte und Menschenrechtler beschuldigen die russische Regierung, sich unter dem Deckmantel juristischer Ermittlungen gegen Yukos die Kontrolle über den einstmals mächtigen Konzern sichern zu wollen. (APA)

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