Schiele steigt weiter im Wert

5. Oktober 2005, 21:07
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Egon Schiele bei der 56. Auktion "im Kinsky"

Wien - Für den 2005er-Schiele-Index ist eben noch nicht aller Tage Abend. Der auch laut Kunstpreisdatenbanken als Bestseller geführte, blickt auf ein gutes, aber nicht überragend erfolgreiches erstes Halbjahr zurück. Zumindest an den weltweit erteilten Auktionszuschlägen gemessen, beläuft sich das aktuelle Minus im Vergleich zum Vorjahr auf fünf Prozent, nach rückläufigen acht von 2004, als 37 Werke für mehr als 17,7 Millionen Euro den Besitzer wechselten - darunter kein einziges Ölbild. Womit die Besonderheit der im Rahmen der 56. Auktion "im Kinsky" angebotenen in Öl gemalten Stadtansicht von Krumau allerdings nur ansatzweise erklärt wäre. In den vergangenen neun Monaten gelangten zwei Ölbilder über Christie's (Schnee, 89.000 Euro) und Sotheby's (Haus zwischen Bäumen, 300.000 Euro) auf den Markt, die allerdings aus den weniger bedeutenden jungen Schaffensjahren zwischen 1906 und 1908 stammen. Wirklich relevante Gemälde aus der Zeit von 1909 bis 1918, seien es in den vergangenen Jahren bloß 30 gewesen, wie Otto Hans Ressler im Vorfeld der Auktion anmerkte. Davon wurden exakt zwei in Wien versteigert, 1978 im Dorotheum das Bild Tote Stadt II, aus heutiger Sicht zu einem Schnäppchen von 1,4 Millionen Schilling; und 1998 jenes Mädchen, das sich "im Kinsky" mit 3,12 Millionen Euro in die Liga des internationalen Auktionsgeschehens spielte.

Aus heutiger Sicht ist eine Zunahme der Nachfrage und eine damit verbundene Wertsteigerung für Ölbilder Egon Schieles gesichert. Und insofern matcht sich das auf 0,85 bis 1,5 Mio. taxierte, etwa 37 mal 29 cm große Holzbild mit einem weiteren Höhepunkt im Auktionsangebot. Seit 1997, als man für ein Jahr Roman Herzig als Experten für Alte Meister im Team hatte, fanden Werke dieser Sparte nur sporadisch Einzug. Nun schlägt man an der Freyung mit der Publikation des ersten reinen Altmeister-Kataloges ein neues Kapitel auf. Die Einleitung stammt von Franz Hals bzw. seinem Umfeld zugeordneten Porträt Willem van Heythuyzens, das 2004 statt der er- warteten 20.000 Euro satte 440.000 einspielte. Aktuell folgt man dem Hausprinzip und bietet eine kleine, aber feine Auswahl, deren untere Schätzwertsumme bei 1,17 Millionen Euro liegt. (kron/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.9.2005)

  • Hoffnungsträger: 1912 malte Egon Schiele dieses erst vor Kurzem als Stadtansicht von Krumau identifizierte Ölbild (Ausschnitt).
    foto: im kinsky

    Hoffnungsträger: 1912 malte Egon Schiele dieses erst vor Kurzem als Stadtansicht von Krumau identifizierte Ölbild (Ausschnitt).

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