Lächeln verboten

4. November 2005, 00:00
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Deutschland führt Anfang November "elektronischen Reisepass" ein - Foto des Pass-Inhabers wird biometrisch erfasst

Berlin - Als erster EU-Staat führt Deutschland zum 1. November den "elektronischen Reisepass" ein. Das Foto des Pass- Inhabers wird künftig biometrisch erfasst.

Genaue Vorgaben für das Passbild

Das beim Passamt eingereichte Foto wird elektronisch darauf überprüft, ob das Gesicht so von vorn gezeigt wird, dass das Augenpaar in der Horizontalen und das Nasenbein in der Vertikalen liegt. Der Mund hat geschlossen zu sein. Halbprofil ist out. Die Gesichtshöhe muss außerdem 70 bis 80 Prozent des Fotos einnehmen. Es muss in allen Bereichen scharf abgebildet und gleichmäßig ausgeleuchtet werden.

Aus einer Foto-Mustertafel des deutschen Bundesinnenministeriums geht hervor, dass das Gesicht nur mehr nach Schablone abgebildet werden darf, das Bild wird sonst zurückgewiesen. Also: "Lächeln verboten".

Ab 2007 Erfassung der Fingerabdrücke

Deutschland ist den Angaben zufolge das erste EU-Land mit einer hochanspruchsvollen Ausweistechnik. Neben den EU-Ländern sollen auch andere Länder Pässe mit so genannten biometrischen Daten einführen. Dazu gehören die Schweiz sowie USA, Russland und Kanada.

Mit der Speicherung der Gesichtsmerkmale wie etwa der Augen-Abstand soll das Dokument noch fälschungssicherer werden, teilte das deutsche Innenministerium mit. Ab 2007 werden außerdem neben den Gesichtsdaten auch zwei Fingerabdrücke auf den Chip geladen. Motiv für die Einführung ist der Kampf gegen den Terrorismus.

"Sicherheitsplacebo"

Mit dem dann mehr als doppelt so teuren Pass soll in Folge auch ein Gerät auf den Passamt finanziert werden, mit dem der Bürger überprüfen können soll, was der Chip in seinem neuen Pass alles gespeichert hat. Ob das Gerät aber den Verdacht entkräften kann, dass womöglich nicht alle gespeicherten Daten sichtbar gemacht werden, wird sich zeigen müssen.

Bürgerrechtler und Expertenverbände wie der Chaos Computer Club haben eine ganze Reihe von Verdachtsmomenten zusammengetragen. Für sie ist der ePass ein "Sicherheitsplacebo", um den Bürger glauben zu lassen, dass man damit besser Terroristen entlarven könne. Gegen den ePass erwägen Bürgerrechtler eine Verfassungsklage, weil neue Überwachungsgefahren drohten. (APA/red)

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