Bürokratie, Papierkram & Co

18. Oktober 2005, 17:14
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Weiß auf dem Finanzamt die eine Hand nicht was die andere tut? - Ärgert sich grruch über unnötigen Energie- und Zeitaufwand

Bürokratie. Und sein übersteigerter (hysterischer?) Bruder Bürokratismus. Da steckt das Wort "Büro" ebenso drinnen wie das griechische "kratos", also Macht, Kraft, Herrschaft, aha! Dabei teile ich wirklich nicht das - besonders in Österreich - weit verbreitete Vorurteil meiner ZeitgenossInnen gegenüber BeamtInnen. Aber was mir in den letzten Wochen passiert ist, ja, zugegeben, das könnte mich umstimmen und gewisse beamtliche Vorbehalte in mein Denken einschleusen. Mich sozusagen dem Heer der Ämter-SkeptikerInnen zuführen.

Ganz vorschnell möchte ich mein Negativdenken in diese Richtung jedoch nicht festfahren lassen. Soll heißen: eine Chance gebe ich den "SchreibtischtäterInnen" in dieser Causa noch. Vielleicht stellt sich zum Schluss ja alles als ein klitzekleiner äußerst selten auftretender Irrtum heraus.

Also: Vor einigen Monaten bemerkte ich, dass das Finanzamt die Überweisung der Familienbeihilfe für meinen Sohn plötzlich eingestellt hatte. Grundlos eigentlich, denn er besucht nach wie vor die Schule. Ich rief deshalb beim Finanzamt meines Wohnbezirks an. Besser gesagt, ich versuchte es. Tagelang (zwar nicht zwölf Stunden hindurch, ich hab' ja noch was anderes zu tun) bekam ich keine Verbindung, bzw. wenn ich endlich durchkam, wurde ich nach kurzer Zeit aus der Leitung geschmissen. Bis es mir zu bunt wurde, ich mich an den Computer setzte und ein Antragsformular zur Gewährung der Familienbeihilfe aus dem Internet herunterlud, ausfüllte und samt Schulbesuchsbestätigung, Zeugnis, Meldezettel und brieflicher Erklärung an das zuständige Finanzamt schickte.

Das funktionierte. Bald darauf wurde mir die ausständige Summe auf mein Konto überwiesen. Damit war für mich der Fall erledigt. Doch kürzlich erhielt ich ein Schreiben des Finanzamtes, in dem ich aufgefordert wurde, ein vorgedrucktes Datenblatt zwecks "Überprüfung des Anspruchs auf Familienbeihilfe" kontrolliert zu retourniern. Der Clou daran: Die meisten der eingetragenen Daten, bis auf meinen Namen und die Adresse, waren falsch. Es handelte sich also um einen Mix aus Erstantrag und jenem neuerlichen korrigierten Antrag, den ich Monate zuvor nach Ausbleiben des Geldes eingebracht hatte.

Was soll man davon halten? Weiß auf dem Finanzamt die eine Hand nicht was die andere tut? Oder wieviele BeamtInnen bearbeiten einen einzigen Akt? Kopfschüttelnd und wütend musste ich einen weiteren Brief zur Klärung des Sachverhalts verfassen. Ich habe meine Zeit und Energie ja nicht gestohlen, seufzt grruch.

Eine Grantkolumne
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