"Warlords" bei Parlamentswahl siegreich

3. November 2005, 13:34
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Abgeordnetenmandat für Ex-Präsident Rabbani - Frühere Taliban-Politiker durchgefallen

Kabul - Die regionalen Führer der Bürgerkriegsmilizen in Afghanistan, die so genannten Warlords, haben die Parlamentswahl in den meisten Provinzen offenbar für sich entscheiden können. In der Hauptstadt Kabul liegen die beiden Verlierer der Präsidentenwahl vom vergangenen Jahr, Mohammed Mohakek und Yunis Kanuni, in Führung. Einen Sitz im Parlament sicherte sich nach ersten Teilergebnissen vom Mittwoch auch der frühere afghanische Staatspräsident Burhanuddin Rabbani.

Unter den 249 Unterhausabgeordneten ist auch die 27-jährige Frauenrechtlerin Malalai Joya, die in der Verfassunggebenden Versammlung vor zwei Jahren den Warlords entgegengetreten war. Für Frauen ist ein Viertel der Sitze im neuen Unterhaus (Wolesi Jirga) reserviert.

Nur wenige hundert Stimmen erhielten drei frühere Minister des gestürzten Taliban-Regimes. Lediglich in der Unruheprovinz Sabul liegt ein früherer Taliban-Kommandant vorn: Abdul Salaam "Rocketi" verdankt seinen Beinamen der besonderen Fertigkeit beim Abfeuern von Raketen.

Nach dem Abschluss der Auszählung am Dienstag begann die Wahlkommission am Mittwoch in Kabul mit der Prüfung der Ergebnisse und der Untersuchung von Betrugsvorwürfen. Die ersten offiziellen Ergebnisse werden für Donnerstag erwartet, das Endergebnis soll am 22. Oktober kundgemacht werden. An der Wahl am 18. September beteiligten sich 6,8 Millionen Bürger.

Präsident Hamid Karzai hatte erklärt, das Problem der "Warlords" sei seit den Wahlen "praktisch gelöst". Er hatte den General Abdul Rashid Dostum, einen der berüchtigtsten Warlords, zum Generalstabschef der Streitkräfte ernannt. Die Milizen des Usbekenführers, der von der früheren pro-sowjetischen Regierung in Kabul zum Vier-Sterne-General befördert und mit dem Ehrentitel "Held der Republik" ausgezeichnet worden war, hatten unter anderem bei der Eroberung der Stadt Mazar-i-Sharif 2001 ein Blutbad angerichtet. Dostums Miliz "Jumbish-i-Milli Islami" hat sich in eine politische Partei umgewandelt. (APA/AP)

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    Wahlhelferinnen bei der Stimmenauszählung in Kabul. Ein endgültiges Wahlergebnis ist erst für Donnerstag zu erwarten.

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