Mega-Anleihen für Bahn und Autobahn

3. November 2005, 20:07
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ÖBB und Asfinag schließen Bond-Rahmenprogramm für bis zu zehn Milliarden Euro ab - ÖBB will jährlich 1,2 Milliarden in Neubau und Erhaltung investieren

Wien - ÖBB und Asfinag verschulden sich für den weiteren Ausbau von Straße und Schiene. Die Asfinag hat vergangene Woche eine 1,2 Mrd. Euro schwere Anleihe ausgegeben. Die ÖBB Infrastruktur Bau AG will bis Jahresende eine Anleihe mit einem Volumen von mindestens einer Milliarde Euro platzieren, sagten die Sprecher der beiden Unternehmen am Dienstag auf APA-Anfrage.

In den nächsten Jahren planen beide Unternehmen weitere Anleihen. Die Asfinag hat 2003 ein Rahmenprogramm zur Aufnahme von bis zu 10 Mrd. Euro über Anleihen abgeschlossen und vier Mrd. Euro davon bereits ausgeschöpft. Auch die ÖBB Infrastruktur Bau AG hat nun ein solches so genanntes Euro Medium Term Note-Programm (EMTN) abgeschlossen, mit dem sie in den nächsten Jahren ebenfalls bis zu 10 Mrd. Euro vom Kapitalmarkt ausleihen kann.

Bauprogramme und Kredit-Refinanzierung

Das Geld aus den neuen Anleihe wird zum Teil in neue Bauprogramme, zum Teil in die Refinanzierung auslaufender Kredite fließen.

Hintergrund für die Finanzierung über den Kapitalmarkt sind die Maastricht-Kriterien der EU für das Budget. Weil ÖBB und Asfinag Schulden eigenständig aufnehmen und abbauen, werden diese Neuschulden für den Autobahnbau nicht mehr dem Bundesbudget angelastet. Weil der Bund aber letztendlich haftet, wenn die Unternehmen ihre Schulden nicht zurückzahlen können, zahlen die Infrastrukturgesellschaften relativ niedrige Zinsen.

ÖBB Bau plant Roadshow

Die neue Asfinag-Anleihe ist mit 3 1/8 Prozent verzinst, die Laufzeit beträgt zehn Jahre. Bei einer im Vorjahr begebenen 1 Mrd. Euro schweren Asfinag-Anleihe hatte die Verzinsung noch 3 1/4 Prozent betragen. Für die ÖBB Bau AG nannte Finanzvorstand Gilbert Trattner gegenüber Analysten und Investoren in Wien anlässlich des Auftaktes einer europaweiten Roadshow noch keine Details. Der Zinssatz und das genaue Volumen richten sich nach dem Marktumfeld zum Zeitpunkt, an dem die ÖBB die Anleihe tatsächlich begeben werden, hieß es aus dem Unternehmen.

Wie der Asfinag haben die beiden weltweit größten Ratingagenturen Standard & Poor's (S&P) und Moody's auch dem ÖBB Bau auf Grund der Bundeshaftung die höchste Bonität (AAA) mit stabilem Ausblick bescheinigt. Daher ist mit zumindest ähnlichen Konditionen zu rechnen. Bei den ÖBB betont man, dass in Europa insgesamt 25 Eisenbahnverkehrsunternehmen geratet sind, davon haben neben der ÖBB-Infrastruktur Bau AG noch drei weitere ein AAA-Rating von beiden Agenturen.

Bei der Asfinag glaubt man, nach Einführung der Lkw-Maut auf die Bundeshaftung verzichten zu können. Die Autobahngesellschaft will die Ausleihungen bis 2047 aus Maut- und Vignetteneinnahmen zurückzahlen.

ÖBB Infrastruktur braucht zusätzlich 50 bis 75 Millionen im Jahr

Die ÖBB dagegen haben zuletzt betont, dass ein Teil der von der Politik angeordneten Bauprojekte nicht aus den Taschen der Bahn gedeckt werden kann, weil sich die Investitionen betriebswirtschaftlich nicht rechnen. Nach den Zahlen, die ÖBB-Chef Martin Huber Anfang des Vormonats dem Aufsichtsrat vorgelegt hat, braucht die ÖBB Infrastruktur Bau AG jährlich zwischen 50 und 75 Mio. Euro zusätzlich oder kumuliert einmal 300 bis 450 Mio. Euro spätestens nach 2010.

In Summe ist die zu Jahreswechsel gegründete ÖBB Bau AG bereits mit rund 5 Mrd. Euro Bankverbindlichkeiten gestartet. In Neubau und Erhaltung wollen die ÖBB nach heuer 1,4 Mrd. Euro in den nächsten Jahren im Durchschnitt jeweils 1,2 Mrd. Euro ausgeben. Die Einnahmen aus Schienenpacht, die indirekt Personen- und Güterverkehr zahlen, liegen dem gegenüber derzeit nur bei 368 Mio. Euro. Dazu kommen noch Erlöse aus der Immobilienverwertung, dem Betrieb ÖBB-eigener Kraftwerke und Förderungen, die in Summe allerdings auch nur knapp 100 Mio. Euro ausmachen.

Begeben wurde der neue Asfinag-Bond über die Investmentbanken Deutsche Bank, Credit Suisse First Boston (CSFB) und JP Morgan. So genannte Joint-Bookrunners der ÖBB sind CSFB und die Deutsche Bank. Die österreichischen Infrastrukturgesellschaften richtet sich dabei sowohl an heimische als auch an internationale Investoren. Die Asfinag-Bonds sind in den vergangenen beiden Jahren auf große Nachfrage gestoßen. Das letzte Papier war laut Asfinag binnen 45 Minuten überzeichnet. (APA)

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    Die ÖBB wollen in den nächsten Jahren im Durchschnitt jeweils 1,2 Milliarden Euro in Neubau und Erhaltung stecken.

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