WKÖ fordert Weiterbetrieb von Nebenbahnen

3. November 2005, 20:07
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Direkte Gleisanbindung von Unternehmen bringt Güterverkehr auf Schiene - EU-Kommission will mehr Kosteneffizienz

Wien - Die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) spricht sich für eine Aufrechterhaltung der österreichischen Neben- und Anschlussbahnen aus - zumindest jener Strecken, auf denen Güterverkehr abgewickelt wird. "Die Anschlussbahnen in Österreich bilden das Rückgrat des Schienenverkehrs", sagte WKÖ-Vizepräsident Richard Schenz am Dienstag bei einer Fachtagung. Die Aufrechterhaltung der Nebenbahnen müsse das verkehrspolitische Ziel sein, da nur so der Güterverkehr auf der Schiene gehalten werden könne, so die Leiterin der verkehrspolitischen Abteilung in der WKÖ, Veronika Kessler.

Das Nebenbahnen-Netz der ÖBB umfasst derzeit 37 Strecken. Dazu kommen weitere 1.200 so genannte Anschlussbahnen, die direkt auf Firmengelände führen und meist von den betroffenen Unternehmen selbst betrieben werden. Von 90 Mio. Tonnen, die im Vorjahr auf der Schiene transportiert worden sind, sind 60 Mio. Tonnen über die Anschlussbahnen auf das Schienennetz gebracht worden.

Einsparungen werden geprüft

Die ÖBB haben erst vergangenen Woche eine wirtschaftliche Überprüfung ihres Nebenbahnennetzes angekündigt. Sie wollen in dem Bereich jährlich 4 bis 5 Mio. Euro einsparen. Welche Strecken betroffen sein werden, ist aber noch unklar.

WKÖ-Expertin Kessler zeigt Verständnis für divergierende Ziele zwischen der Verkehrspolitik und den wirtschaftlichen Interessen der neuen ÖBB. In diesem Fall sei jedoch die öffentliche Hand aufgefordert diese Schere durch Förderungen zu schließen. Zumindest die bestehenden Subventionen - für die Anschlussbahnen 2003 und 2004 in Summe 48 Mio. Euro - müssten aufrechterhalten werden, verlangte Kessler.

Güterverkehr: "Entscheidung des Eigentümers"

Ähnlich sieht dies auch ÖBB-Güterverkehrsvorstand Gustav Poschalko. Die ÖBB-Güterverkehrstochter Rail Cargo Austria (RCA) werde der Stilllegung einer Nebenbahn "nur dann zustimmen, wenn darauf keine entsprechenden Volumina transportiert werden". Das flächendeckende österreichische Schienennetz sei letztendlich mitentscheidend für den im Europavergleich hohen Schienenanteil am Gesamtgüterverkehr und gleichzeitig auch für den gesamten Wirtschaftsstandort Österreich, sagte Poschalko am Rande der Konferenz zur APA.

Wie viele von den 37 Nebenbahnen aus Sicht des Güterverkehrs entbehrlich wären, wollte der ÖBB-Manager am Dienstag nicht beantworten. Letztendlich sei es die "Entscheidung des Eigentümers, inwieweit er an der Instandhaltung interessiert" sei.

EU drängt auf Kostensenkung auf der Schiene

Die EU-Kommission drängt unterdessen darauf, dass die Benützung dieser Nebenbahnen günstiger und einfacher wird. Auch bei den Behörden in Brüssel meint man, dass ein Rückzug der Schiene aus der Fläche nicht zielführend wäre. Um mit der Straße wettbewerbsfähig zu sein, müssten die Bahnen jedoch die Kosten auf den Nebenstrecken senken, sagte Jan Scherp von der Generaldirektion Verkehr bei der Tagung.

Konkret plädiert er für eine effizientere und gleichzeitig einheitliche europäische Technik, damit auf den Nebenbahnen Personal eingespart werden könne, damit Züge grenzüberschreitend verkehren könnten, ohne an der Grenze die Lok wechseln zu müssen und damit die Bahn pünktlich ans Ziel komme. Zwar habe sich der Anteil jener Züge in der Union, die mit mehr als 30 Minuten Verspätung ankommen, in den vergangenen drei Jahren von 55 auf 36 Prozent verringert. "Für jeden Verlader ist das aber noch immer inakzeptabel", so Scherp. (APA)

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