How could it hurt you when it looks so good"

16. März 2006, 12:20
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Die Ausstellung "coolhunters" zeigt Jugendliche und ihre Abhängigkeit von der kommerzialisierten und mediatisierten Welt

Wien - Man betritt den einer riesigen Halfpipe nachempfundenen Raum, auf zwei Leinwänden werden Filme projiziert. Ein Künstler hat Jugendliche gebeten, vor einer weißen Leinwand zu Hardcoremusik zu tanzen. Ein Bild, wie es in vielen Discos und Raves zu finden ist. Durch Ausblendung der gewohnten Szene gewinnt man andere Blickwinkel auf das typische Verhalten. Elemente wie Aggression - geballte Fäuste - werden erst so richtig deutlich.

Die Ausstellung coolhunters im Künstlerhaus zeigt Jugendliche und ihre Abhängigkeit von der kommerzialisierten und mediatisierten Welt. Angefangen bei Musik und Kleidung bis hin zu Marken und Idolen. Mit Videos und Kopfhörern wird versucht, einen Einblick in einzelne, unterschiedliche Welten der Jugendlichen zu schaffen. Anderenorts werden ungewohnterweise Accessoires und Alltagsgegenstände als Ausstellungsstücke präsentiert. Der Körperkult, einem von den Medien vorgegebenen Schönheitsideal zu entsprechen und der daraus entstehende Konsumwahn sind zentrale Kritikpunkte von coolhunters.

Image ist alles

Niemand kann ihnen entkommen: den Plakaten, Werbungen oder Musikvideos für die es nur eine Vorstellung von Schönheit gibt. "How could it hurt you when it looks so good", steht unter einer Fotoreihe von magersüchtigen Mädchen, die versucht haben, sich als Models zu bewerben. Der Glaube, diesem Ideal näher zu kommen, wenn man die beworbenen Marken trägt, führt zu einer Uniformierung der Jugendlichen. Die ursprüngliche Gegenbewegung des Punk ist zu einem regelrechten Punktrend geworden.

Neben der Angst der "Jugend von heute" vor Individualität und dem Wunsch der Gruppenzugehörigkeit, werden Partydrogen und Alkoholismus als gesellschaftliche Unterhaltung und Sinnesentleerung dargestellt. Als Teil dieser Jugendkultur kann man den Aussagen von coolhunters viel Wahres abgewinnen. Die Ausstellung ermöglicht einen anderen Blick auf das Gewohnte und lässt Fantasien einer alternativen Lebensgestaltung entstehen. Am Ende fragt man sich aber, ob nicht mehr hinter Jugendkultur steckt als so manches gezeigte Extrem. (DER STANDARD, Christoph Leschanz, Nina Palmstorfer, Printausgabe, 4.10.2005)

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