Die besten und schlechtesten Fonds im dritten Quartal

25. November 2005, 09:01
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Nur acht Prozent aller Fonds erzielten im abgelaufenen Quartal Verluste - Eine Fondsbilanz von e-fundresearch.com

Im Windschatten der guten Entwicklung fast aller Aktienbörsen entwickelten sich besonders Aktienfonds im abgelaufenen Quartal ausgezeichnet. Aber auch der Gesamtmarkt weist einen mehr als zufrieden stellenden Verlauf auf

So liegen nur acht Prozent der insgesamt 17.325 Investmentfonds (alle Tranchen) mit Vertriebszulassung in Österreich, Deutschland oder der Schweiz seit Ende Juni im Minus. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr betrug die Quote der Fonds mit negativen Erträgen noch 2,6 Prozent. Übrigens: Bei keinem einzigen Fonds fiel das Minus im dritten Quartal zweistellig aus.

Schwellenländer und Energie legten stark zu

Geprägt wurde das Kapitalmarktumfeld in den letzten drei Monaten vor allem durch boomende Schwellenländer, allen voran Russland und Brasilien. Während der Weltaktienindex MSCI World im Berichtszeitraum um 7,5 Prozent zulegen konnte (seit Jahresbeginn legten Aktien damit bereits um über 20 Prozent zu), stieg der russische Moscow Times Index um 52 Prozent, der BOVESPA Index in Sao Paulo immerhin noch um 35 Prozent.

Bei den Sektoren legten Energie, Autos und Biotechnologie (gemessen an den jeweiligen MSCI World Subindizes) am Stärksten zu und gewannen jeweils rund 20 Prozent dazu.

Welche Fonds erzielten die höchsten Gewinne?

Für die nachstehende Analyse wurden alle Investmentfonds herangezogen, die per 30.9.2005 über eine Vertriebszulassung für Österreich, Deutschland oder die Schweiz verfügten und zumindest eine 3-Monats-Historie aufweisen. Das Ergebnis im Überblick:

ESPA Stock Europe-Emerging: Mit Charttechnik auf Platz eins

Osteuropa-Aktienfonds mit Russland-Schwerpunkt waren in den letzten drei Monaten klar am Erfolgreichsten. Unter den Top-30-Fonds finden sich gleich 23 Osteuropa-Aktienfonds. Platz eins erzielte mit einem Plus von 43,9 Prozent der ESPA Stock Europe-Emerging von Harald Gallob, welcher aktuell zu 77 Prozent in Russland investiert ist.

Gallob schlägt damit sogar reine Russland-Aktienfonds wie den KB Lux Key – Russia auf Platz zwei oder den DWS Russia von Steffen Gruschka auf Platz drei. Im Vergleich zu seiner Benchmark – im MSCI EM Eastern Europe beträgt die neutrale Gewichtung Russlands rund 50 Prozent - ist Gallob schon seit Februar in Moskau übergewichtet.

"Im Schnitt waren wir dort mit 75 bis 80 Prozent investiert", skizziert Gallob, der dafür aber keine fundamentalen Gründe anführt. "Im Unterschied zu den meisten anderen Osteuropa-Fonds konzentriert sich unserer Analyse großteils auf chart- bzw. sentimenttechnische Faktoren".

Bereits im Juni erkannte man frühzeitig starke Nettomittelzuflüsse nach Russland, vor allem wegen Gazprom, und stieg ein. "Teilweise sogar anhand von Index-Derivaten, wobei der Hebel hier bis zu 30 Prozent betragen darf", schildert Gallob, der darin auch einen weiteren Grund für die starke Performance sieht.

Emerging Markets: Trendwende erst 2006?

Und auch in den nächsten Monaten rechnet er mit einer Fortsetzung des Trends: "Obwohl wir nach den enormen Kursanstiegen schon ein ungutes Gefühl haben, sollte die Trendwende erst 2006 kommen.

Denn viele Osteuropa-Fonds haben Russland verschlafen und springen erst jetzt auf den fahrenden Zug auf. Das Liquiditätsumfeld bleibt deswegen positiv". Im Vordergrund sollten bis Jahresende aber kleinere russische Werte stehen. "Die großen Ölwerte sind überkauft und die Ölpreisentwicklung längst eingepreist".

"Lieber zu früh als zu spät verkaufen"

Im nächsten Jahr rechnet Gallob dann aber mit einem stark negativen Aktienjahr für fast alle Schwellenländer. "Die starke Outperformance der letzten 18 Monate wird nicht ewig anhalten und es wird zu einer Normalisierung kommen", so der Experte, der derzeit noch stärker als sonst auf potentielle Warnsignale achtet um im Umschwung lieber zu früh als zu spät zu verkaufen. Langfristig seien in dieser Assetklasse aber immer noch Renditen zwischen 10-15 Prozent pro Jahr realistisch.

Weitere Osteuropa-Fonds, die auf den vordersten Plätzen zu finden sind: NESTOR Osteuropa Fonds (+37,6 Prozent / Platz sieben), Dexia Invest Emerging Europe (+37,5 Prozent, Platz acht) bzw. der siemens/equity.eastern-europe (+37,2 Prozent, Platz neun), der von Schroder Investment Management in London verwaltet wird.

"Ölaktien noch immer billig bewertet"

Der erste Fonds, der nicht schwerpunktmäßig in diese Region investiert, ist der HSBC GIF Brazil Equity (+33,8 Prozent, Platz 29) von Luiz Navarro. Dann folgt der der Investec GSF Global Energy mit +33,3 Prozent auf Platz 32, welcher von einem im Berichtszeitraum stark steigenden Ölpreis profitierte.

Fondsmanager Tim Guinness setzt stark auf Mid-Caps, wobei ihm zuletzt besonders die Performance der Canadian Oil Sands Aktie geholfen hat. Seit Jahresbeginn war jedoch die Aktie der Österreichischen OMV der Top-Performer im Fonds. Zukünftig sei das Potential noch lange nicht ausgereizt: "Bei einem Ölpreis von 42 US-Dollar sind die Ölaktien in meinem Portfolio fair bewertet", so Guinness.

Nicht nur weil dieser aktuell bei fast 70 US-Dollar steht, rechnet er mit weiteren Gewinnen: "Bei einem längerfristigen Ölpreis ab 50 US-Dollar besteht bewertungstechnisch, z.B. im Verhältnis zum Kurs-Gewinn-Verhältnis des S&P 500 Index, ein Aufwärtspotential zwischen 35 und 40 Prozent". Aktuell betrage das durchschnittliche KGV des Fonds auf Basis des laufenden Jahres 12,1, während der S&P 500 mit dem 16,6fachen der 2005er Gewinne deutlich höher bewertet ist.

Die Geldvernichter

Die schlechtesten Investments im zweiten Quartal waren Aktienfonds mit Länderschwerpunkt Indonesien, welche zwischen fünf und neun Prozent an Wert verloren. Auch sehr weit hinten finden sich einige bekannte US-Aktienfonds, wie etwa der auf Micro-Caps spezialisierte US Special Equity von Charles Dreifuss (-2,9 Prozent) bzw. der Vontobel US Value Equity Fund von Edwin Walczak mit -3,5 Prozent. Vor allem aufgrund der Währungsentwicklung zählen auch japanische Anleihenfonds in den letzten drei Monaten zu den klaren Verlierern.

Was machten die zwei größten Fonds?

Die derzeit in Österreich, Deutschland oder der Schweiz größten Fonds liegen im Berichtszeitraum aber deutlich im Plus: Der Fidelity Funds – European Growth Fund (Volumen 18,7 Mrd. Euro) gewann 11,3 Prozent dazu (MSCI Europe: +8,2 Prozent). Der Templeton Growth Fund, Inc. (16,9 Mrd. Euro) liegt seit Jahresmitte mit einem Plus von 6,6 Prozent aber hinter dem MSCI World Index mit 7,5 Prozent leicht zurück.

Alle Daten per 30.9.2005 in Euro / Quelle: Lipper

Den gesamten Artikel (inkl. Tabelle der Top-30-Fonds im 3. Quartal 2005) finden Sie hier.

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