Jungvolk am Kreuzerln

21. Oktober 2005, 16:08
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In Wien und im Burgenland sind bei den Landtagswahlen erstmals die 16- und 17-Jährigen wahlberechtigt - Mit Infografik

In Wien und im Burgenland sind bei den Landtagswahlen erstmals die 16- und 17-Jährigen wahlberechtigt. Orientierungshilfen sind im traditionellen Milieu vielfach die Eltern, im urbanen sind es eher die Freunde.

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Im Burgenland und in Wien werden bei den Landtagswahlen erstmals auch 16- und 17-Jährige mitstimmen. Zusammen mit den älteren Erstwählern stellt die Gruppe der Jüngsten ein beträchtliches politischen Potenzial dar.

Alle vier Parteien machen sich diesbezüglich natürlich Hoffnungen. Aber alle rätseln im Grunde über das weithin unbekannte Wesen "Jungwähler", das von kaum einer Meinungsforschung dingfest gemacht werden kann, weshalb sich die Parteistrategen da eher auf ihren Bauch verlassen. Und der muss ihnen auch sagen, ob und wie sehr der Charakter dieses Wesens vom Umfeld - Großstadt oder Dorf - bestimmt ist.

"Die Jugendlichen im ländlichen Raum werden eher jene sein, die zur Wahl gehen, da sie noch eher dem alten Normensystem folgen", prophezeit der Wiener Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier im STANDARD-Gespräch. Im urbanen Bereich stehe man dem "Wahlakt als solches schon kritisch gegenüber. Zur Wahl zu gehen zählt auch nicht so stark zum staatsbürgerlichen Leben". Einige Parteien werden so und so froh sein, wenn die Jugendlichen fern bleiben. Denn im städtischen höher gebildeten Bereich gibt es, so Heinzlmaier, den starken Trend, links zu wählen: "Im städtischen, individualisierten Milieu orientieren sich Jugendliche mehr an Gleichaltrigen und den eigenen politischen Vorstellungen - im traditionellen Milieu stärker an den Eltern."

Die burgenländischen Parteien haben bereits Erfahrungen mit den wahlberechtigten Teenagern. Schon vor drei Jahren, bei den Gemeinderatswahlen 2002, wählten die 16-Jährigen mit. Dabei zeigten sich zwei Trends: Die Jungen nehmen ihr Wahlrecht ernst, die Wahlbeteiligung lag im Landesschnitt, also bei mehr als 85 Prozent. Und zweitens wich auch das Wahlverhalten kaum vom Durchschnitt ab, was viele so zu interpretieren geneigt sind, dass die Jungen sich beim Wählen an den Eltern orientieren.

Bürgermeister wichtig

Das freilich greife, meinen die pannonischen Parteistrategen, doch zu kurz. Sowohl SPÖ-Geschäftsführer Georg Pehm als auch sein VP-Gegenüber Dietmar Halper glauben, dass es die politische Sozialisation in den Gemeinden sei, die ersten handgreiflichen politischen Anschauungsbeispiele, die Orientierung geben. "Die Jungen werden in den Gemeinden ins Politische integriert, die Bürgermeister sind da sehr wichtig", sagt Georg Pehm, der glaubt, "dass die SPÖ im Burgenland, anders als in der Steiermark, bei den Jungen punkten wird."

Dass die Erst- und Jungwähler diesmal den Grünen helfen könnten, das Größenverhältnis in der Opposition umzudrehen, erhofft sich Geschäftsführerin Hertha Emmer ("Wir wollen stärker werden als die FPÖ").

"Angebote für Junge" haben alle Parteien. In der Hauptsache Kandidaten, die selber extrem jung sind. Daneben gibt es allerlei Musikevents, die FPÖ verlangt die theoretische Führerscheinausbildung in der Schule, die Grünen verteilen Leiberl, SPÖ und ÖVP senden Briefe an Jungwähler.

Junge Kandidaten

Ähnlich wird auch in Wien wahlgekämpft. Die Wiener SPÖ nutzt ihren Startvorteil und erweitert die "Jungwiener-Aktion" - seit 1997 können sich Jugendliche ab 17 Jahren für eine Gemeindewohnung vormerken lassen. Lediglich SPÖ und Grüne setzen außerdem auf eigene Jugendkandidaten.

"Prinzipiell ist es gut, junge Kandidaten aufzustellen und eine Identifikationsmöglichkeit anzubieten", sagt Heinzlmaier. Unverständlich sei aber, dass es immer nur einer oder zwei sind: "Für die Gruppe der 40- bis 60-Jährigen gibt es ja auch mehr Kandidaten." Da verkomme das Ganze dann doch zu einer Alibi-Aktion. (DER STANDARD, Printausgabe, 04.10.2005)

Von Peter Mayr und Wolfgang Weisgram
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    Von den Parteien werden Jugendliche in Wien und im Burgenland derzeit umworben: Gemeinsam mit den älteren Erstwählern stellt die Gruppe der 16- und 17-Jährigen ein beträchtliches politisches Potenzial dar.

  • Junge Wähler

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