Wahlsieg stärkt SP-Landespartei gegenüber Bundespartei und Gusenbauer

7. Oktober 2005, 16:39
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Noch freut man sich in der SPÖ gemeinsam auf die kommenden Wahlen

Die kleinen Annehmlichkeiten eines Erdrutschsieges auf Landesebene wollte SP-Chef Alfred Gusenbauer in seiner Nachbetrachtung der steirischen Wahl durchaus nicht gering schätzen. So werden die Abgeordneten im Nationalrat "mit Sicherheit mehr nachdenken müssen", welche Gesetze sie verabschieden, glaubt der SP-Chef - schließlich wird es im Bundesrat nach dem Debakel der ÖVP in der Steiermark eine rot-grüne Mehrheit geben. Dass diese ihre Übermacht in der Länderkammer allerdings bis hin zur Lähmung der Gesetzgebung ausnützen könnte, schließt Gusenbauer aus.

Auch sonst fällt es den SP-Strategen am Tag danach nicht schwer, die positiven Effekte auf Landes- und Bundesebene herauszustreichen und das "gute Omen" für die kommenden Nationalratswahlen, das Gusenbauer noch am Wahlabend zu sehen vermeinte, wortreich zu verstärken. Dass von der steirischen ÖVP rund 66.000 Wähler zur SPÖ abwanderten, hat selbst die eingefleischten Optimisten bei den Roten überrascht - so sehr, dass man die Erwartungen für die Landtagswahlen im Burgenland am 9. Oktober und in Wien am 23. Oktober schon wieder dämpfen will. Das ist nach übereinstimmender Ansicht der Meinungsforscher nicht notwendig: Sie gehen davon aus, dass sich das seit Wochen herrschende Hoch der SPÖ in diesen zwei Bundesländern noch verstärken wird.

Motivationsfrage

Die Furcht, dass es die Funktionäre angesichts zweier sicher scheinenden Siege etwas lascher angehen werden, ist zumindest im Burgenland der Euphorie gewichen, gerade jetzt noch eins nachzulegen. In Wien ist davon vorderhand noch keine Rede, obwohl auch hier parteiintern nur noch über die Höhe des Sieges gesprochen wird. Und die könnte, so orakeln einige in der Bundespartei, durchaus skurrile Auswirkungen annehmen: Ein Wahlsieg Michael Häupls in der Nähe von 55 Prozent könnte durchaus wieder jene Stimmen im Wiener Rathaus lauter werden lassen, die in der Person des Bürgermeisters immer schon den eigentlichen und besseren Spitzenkandidaten für die Nationalratswahl gesehen haben.

Gusenbauer selbst ficht das vorderhand nicht an. Noch versichert er, strahlend im Glanz des steirischen Triumphes, wie sehr er sich freue, künftig mit vier starken roten Landeshauptleuten in einem Boot zu sitzen. Noch beteuern auch alle, in eine Richtung rudern zu wollen, und zwar in die, die Gusenbauer mit dem Sieg bei der Nationalratswahl und seiner Ankunft im Bundeskanzleramt vorgegeben hat. Doch das hat man in den letzten Jahren oft gehört - meist dann, wenn nach ausführlicher öffentlicher Suche doch kein neuer Steuermann gefunden wurde. (DER STANDARD, Printausgabe, 4.10.2005)

  • Rapid-Fan Gusenbauer bejubelt das Steirergoal, das die SPÖ der ÖVP geschossen hat. Im Burgenland und in Wien warten 
auf die SPÖ vergleichsweise Heimspiele, 
die sie nach Meinung der Kiebitze nicht mehr hoch verlieren kann.
    foto: standard/matthias cremer

    Rapid-Fan Gusenbauer bejubelt das Steirergoal, das die SPÖ der ÖVP geschossen hat. Im Burgenland und in Wien warten auf die SPÖ vergleichsweise Heimspiele, die sie nach Meinung der Kiebitze nicht mehr hoch verlieren kann.

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