Den Schwarzen verging die Lust aufs Bier

7. Oktober 2005, 16:39
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Wirbel um spontane Juso-Demo vor steirischer ÖVP-Parteizentrale - Feierlaune nur bei SPÖ und KPÖ

So schön hätte es werden können, zwei Zapfanlagen mit Freibier waren bereitgestellt - aber es auch zu trinken, hatte kaum jemand Lust: Schon um neun Uhr Abend hatte sich die Parteizentrale der ÖVP weit gehend geleert, auf den Tischchen im Foyer standen dutzendweise halb volle Plastikbecher. Nicht einmal zum Austrinken wollten sich die Gäste Zeit nehmen. Zu Feiern gab es ohnehin nichts, nachdem sich die Parteichefin verabschiedet hatte, waren auch die meisten Politiker gegangen - nur Nationalratsabgeordneter Vinzenz Liechtenstein hielt im Foyer aus und bemühte sich, nicht allzu traurig zu wirken.

Wieder und wieder erzählte er von der aus seiner Sicht "skurrilen Demo von Jusos", die am früheren Abend vor die VP-Zentrale auf dem Karmeliterplatz gezogen waren und mit Transparenten und Spottgesängen die unterlegene Konkurrenz herausgefordert hatten. Irgendwie war es dann auch zu einer Rangelei gekommen - was die Parteienvertreter (nicht nur die der ÖVP) noch am folgenden Tag über mangelnde politische Kultur räsonieren ließ.

Das traurige Bild in den Räumen der Volkspartei wurde durch die kurze Rede von Waltraud Klasnic untermalt, die ihren Getreuen mit Tränen in den Augen dafür dankte, dass sie zehn Jahre an der Spitze stehen durfte, "die schönsten zehn Jahre meines Lebens". Hier nun ging die Ära zu Ende und Klasnic versuchte, sich und der Partei Mut zu machen für die kommenden fünf Jahre: "Ich gehe aufrecht und stolz. Ich habe nicht das Gefühl, verloren zu haben, sondern nur das Gefühl, nicht gewonnen zu haben."

Zu dieser Zeit hatte sich die Wahlparty des bei seinem ersten Antreten gescheiterten BZÖ bereits aufgelöst. Bei den in der FPÖ-Zentrale verbliebenen Freiheitlichen herrschte helle Verzweiflung und bei den Grünen herrschten Zweifel, ob das Ergebnis wirklich so gut war, wie es die Spitzenkandidatin beständig den Journalisten einzureden versuchte.

Bei der KPÖ hatte man vorsorglich genügend Murauer Bier eingekühlt, aber am reichlichsten floss das Gösser im frisch renovierten Gösserbräu in der Neutorgasse: Hierher hatte Franz Voves seine Fans geladen - und die Partys der Wahlsieger sind eben doch die best besuchten: Voves wurde umringt von den Jusos, die nach der (von ihm selber weniger geschätzten) Demo in besonderer Laune waren. Stolz wurden T-Shirts mit dem Aufdruck "Wir sind Landeshauptmann" getragen - und fleißig gesungen: Folksongs und als Draufgabe die Internationale, die man denn doch nicht den Kommunisten allein überlassen will.

Mitten drin in der jubelnden Menge: Parteivorsitzender Alfred Gusenbauer, den die Feiernden im Gösserbräu gerne im kommenden Jahr auch als Wahlsieger feiern würden. (DER STANDARD, Printausgabe, 04.10.2005)

  • Ausgelassene Stimmung beim Gösser: Jusos zeigen ein überdimensioniertes
"V" als Victory-Zeichen für Voves.
    foto: der standard/cremer

    Ausgelassene Stimmung beim Gösser: Jusos zeigen ein überdimensioniertes "V" als Victory-Zeichen für Voves.

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