Wählerstromanalyse: Der direkte Stimmenfluss von Schwarz nach Rot

19. Oktober 2005, 09:24
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Mit Flashgrafik und Infografiken

Der Wahlsieg der SPÖ wurde durch einen Lagerwechsel möglich: Jeder fünfte schwarze Wähler von 2000 kreuzte diesmal Rot an. Die KPÖ hat in allen Lagern gefischt - am erfolgreichsten aber bei Schwarz-Blau.

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Von rechts nach links: Nach diesem Motto agierten am Sonntag viele Wähler in der Steiermark, die von der ÖVP zur SPÖ oder zur KPÖ wechselten. Der größte Wählerstrom ging von der ÖVP zur SPÖ (66.000 Stimmen). Dieser großen Wählerwanderung hat die SPÖ ihren Wahlerfolg zu verdanken: Die ÖVP verlor dramatisch - jeder Fünfte ihrer Wähler wechselte direkt zur SPÖ (siehe Grafiken).

Von der ÖVP zur KPÖ

Die Rot-Rote-Karte, die von der ÖVP am Schluss des Wahlkampfs massiv gespielt wurde, hat zwar gestochen - aber völlig anders, als das die ÖVP geplant hatte: Viele schwarze Wähler wählten diesmal tiefrot. Jeder fünfte KPÖ-Wähler von 2005 hat 2000 die ÖVP gewählt. Christoph Hofinger vom Sora-Institut, das die Wählerstromanalyse erstellt hat, erklärt dieses Phänomen so: "Es gab nach den vielen Skandalen in der Steiermark ein starkes Bedürfnis nach Alternativen in der Politik. Ernest Kaltenegger hat sich selber mit weißer Weste präsentieren können und dabei geschickt fast christliche Slogans verwendet - etwa Geben statt nehmen."

Der dritte, große Wählertrend in der Steiermark ging von der FPÖ aus. Ihre Wähler haben sich völlig zerstreut. Die Freiheitlichen konnten nur ein Fünftel ihrer ehemaligen Wähler behalten - und flogen auch deshalb aus dem steirischen Landtag.

Die Wählerströme für die einzelnen Parteien zeigen, dass die SPÖ mit 85 Prozent einen Großteil ihrer Wähler behalten oder wieder für sich mobilisieren konnte. Sie verlor zwar rund 15.000 Stimmen an die ÖVP - gewann aber 66.000 von der ÖVP. Außerdem zog die SPÖ Wähler der FPÖ (10.000) und den Grünen (7000) an. Damit gingen 19 % der Grün-Wähler zur SP.

Die ÖVP konnte nur von der FPÖ massiv gewinnen (17.000) und verlor 9000 Wähler an die KPÖ. Fünf Prozent der ÖVP-Wähler von 2000 blieben diesmal zu Hause, die Behalterate der ÖVP liegt bei 66 Prozent.

Die Gewinne der KPÖ kommen zu fast gleichen Teilen aus dem Nichtwählerbereich, der ÖVP und der FPÖ. Auch 6000 grüne Wähler von 2000 haben sich 2005 für die KPÖ entschieden, das entspricht 15 Prozent der Grünen-Wählerschaft. Trotzdem kommt der größte Wählerblock der Kommunisten von Schwarz-Blau - 40 Prozent.

Grün verliert nach links

Die Grünen verloren an SPÖ, KP und an die Nichtwähler. Ihre Behalterate ist mit 38 Prozent sehr niedrig - und liegt unter der von SP, KP und VP. Die FP verlor in alle Richtungen: Ein Fünftel der Wähler von 2000 blieb zu Hause, ebenso viele wechselten zur ÖVP. Elf Prozent wählten SP. (DER STANDARD, Printausgabe, 04.10.2005)

  • Von Rot zu Schwarz

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  • Wandernde Wähler

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