Adam & Detlef II

2. Oktober 2006, 16:06
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Iris Pokorny und Elisabeth Leeb wollen mit ihrer Kurzfilm-Doku "andererseits (oder lesbische Mütter unter uns)" mehr als nur provozieren

Schrecken des konservativen Österreichs: Iris Pokorny und Elisabeth Leeb wollen mit ihrer Kurzfilm-Dokumentation "andererseits (oder lesbische Mütter unter uns)" aber mehr als nur provozieren.

Die alte Dame wirkt etwas verkrampft. Eine Familie solle aus „Vater, Mutter, Kind“ bestehen, sagt sie in die Kamera von Iris Pokorny und Elisabeth Leeb. Und noch mehr Repäsentanten des österreichischen Konservatismus werden um eine Stellungnahme gebeten; es fallen Sätze wie „Die Gesellschaft ist nicht reif dafür.“, „In der Bibel steht ja auch von Adam und Eva und nicht von Adam und Detlef.“ oder „Man darf nicht nur an sich selbst denken, man muss auch an die Kinder denken“.

In dieser Produktion wird eine wichtige Frage gestellt: Kann ein gleichgeschlechtliches Paar Kinder erziehen? Mit erfrischendem Augenzwinkern werden die Pros und Contras in Form von Interviews und dem Besuch bei lesbischen Müttern auf die Moralwaagschale gelegt und abgewogen. So ist es für die Intention des Films nicht relevant, die Interviews auch noch zu kommentieren; Befürworter und Gegner bezüglich des Thema werden so gegenübergestellt, dass man ohne einen Off-Kommentar zu einer persönlichen Meinung kommt. Auch wenn die Filmemacherinnen mit dieser Produktion durchaus zu provozieren wissen, verlangen sie vom Zuseher nicht, dass er ihre offensichtliche Meinung (oder Antwort) sofort übernimmt.

Nach den sehr katholischen Antworten mancher Passanten fühlt man sich von den Kommentaren anderer Interviewter ins 21. Jahrhundert zurück geholt; sehr gefällt der Satz „Es kann bei Gleichgeschlechtlichen genauso schief gehen“. Damit wird die Intoleranz ohne Anstrengung demaskiert und für argumentlos befunden.

Noch eine Gegenüberstellung ist in diesem absolut ernstzunehmenden Film zu finden: Die zwischen der Gesellschaft und den „Woarmen“ selbst. Wo kann man diese gut filmen? Bei der Regenbogenparade. Die Kluft wird durch den Farbkontrast sichtbar. Die Passanten stehen verkrampft und grau am Rand, während sich die Paradler bunt präsentieren ...

Schnitt, neue Location: Das Haus des lesbischen Pärchens. Während das junge Paar von den schlechten und den guten Seiten einer solchen Familie spricht, sieht man die wunderbar selbstbewussten Töchter spielen. „Durch unsere Beziehung werden sie einmal tolerant anderen gegenüber werden“, sind die jungen Mütter überzeugt. „Am Anfang war es schon komisch“, hören wir von einem Elternteil. Schließlich erfährt man aber, dass an ein drittes Kind gedacht wird.

Von Stephanie Lehner
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