Mozart-Schau in Albertina ohne Zaha Hadid

3. Oktober 2005, 13:14
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Aus Budgetgründen gestaltet nun das Team n-o-m-a-d die Aus­stellung - Klaus Pinter baut "Montgolfiere" - Franz West entwirft "Rokoko-Teppich"

Wien - "Diesem Zeitraum verdanken wir die Albertina", meinte Direktor Klaus Albrecht Schröder bei der Pressekonferenz zur kommenden Großausstellung "Mozart. Experiment Aufklärung im Wien des ausgehenden 18. Jahrhunderts", die ein halbes Jahr geöffnet sein wird (17. 3. bis 20. 9.).

Durch die Konzentration der Schau auf die Basteihalle ist die ursprünglich geplante siebenwöchige Schließung während des Aufbaus nicht mehr nötig. Die Schiele-Schau der Albertina ist dadurch allerdings auf 7. 12. bis 19. 3. verlegt. Eine Änderung gibt es auch bei den Verantwortlichen der Ausstellungsarchitektur: Anstelle von Zaha Hadid wird aus Kostengründen das Team n-o-m-a-d/Vienna die Schau gestalten.

Die Verwirklichung des Hadid-Konzeptes wäre mit dem vorhandenen Budget nicht möglich gewesen, meinte Kurator und Leiter des Da Ponte-Instituts Herbert Lachmayer. Insgesamt stehen bis jetzt 4,4 Millionen Euro für die Superschau zur Verfügung. Man habe sich aber freundschaftlich getrennt und sei sehr zufrieden mit dem Entwurf von den Architekten n-o-m-a-d. Ansonsten habe sich beim Grundkonzept der Schau nichts wesentliches geändert, erzählte Lachmayer weiters. Sein Hauptanliegen sei es, "die Aktualität der Zeit Mozarts für heute" zu beweisen. Damalige Kategorien wie "Supranationalität, Schnelllebigkeit, Experiment oder Vielsprachlichkeit" seien auch heutige Standards.

Blickwinkel: Karriereplanung Leopold Mozarts für seinen Sohn

Im Vordergrund wird die "Ambivalenz des Josefinismus" stehen, die das "kurzzeitige Experiment Aufklärung" in Österreich beleuchten soll. Die Biografie Mozarts will Lachmayer aus dem Blickwinkel der "Karriereplanung Leopold Mozarts für seinen Sohn" entwickeln, um "dem Klischeeterror zu entgehen". Ein wesentliches Element der Schau wird die Arbeitsbeziehung zwischen Mozart und da Ponte sein, um auch den damaligen Begriff "künstlerischer Produktivität" zu untersuchen.

Zeitgenössische Entwürfen von Galliano, Alaia, Westwood oder Lacroix

Wer die Ausstellung besuchen wird, dem "fliegen erst einmal Rokoko und Klassizismus um die Ohren", versprach Lachmayer. Klaus Pinter von der Gruppe Hausrucker und Co wird anlehnend an die historische Montgolfiere eine pneumatische Installation "La conquete de l'air" gestalten, die zum Leitemblem der Schau werden soll.

Auch die Nachhaltigkeit des Rokoko in der Gegenwart soll anhand von zeitgenössischen Entwürfen von John Galliano, Azzedine Alaia, Vivienne Westwood oder Christian Lacroix demonstriert werden. Rokoko will Lachmayer nicht verstanden wissen als "zerbröselndes Barock, wie man das in der Mittelschule lernt", sondern als "Impuls gegen Spätbarock, als Inszenierung des Denkens, Konversierens, Spielens und der Erotik".

Franz West entwirft "Rokoko-Teppich"

Franz West wird für die Albertina einen 2000 Quadratmeter großen Teppich gestalten, der mit Rokoko-Motiven spielt. Die Basteihalle wird als White Cube genutzt und beherbergt thematisch Leben und Werk Mozarts. In der Pfeilerhalle werden Opern thematisiert, und in der Studio Galerie wird die Wissenschaft der Zeit mit sakralen Themen kontrastiert. Auch der Komplex "Freimaurertum" wird vorkommen, "als Psychotop", so Lachmayer. Für die musikalische Gestaltung sorgen junge Künstler, die permanent auf einem Bösendorfer Flügel Mozart spielen werden.

Letzten Endes sei das Phänomen Mozart aber nur individuell fassbar, so Lachmayer: "Jeder ist sein bester Mozart-Forscher". (APA)

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    foto: albertina
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