Wahlmotive: Affären und Ältere für SPÖ

7. Oktober 2005, 16:39
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OGM: Skandale waren entscheidend - Spitzenkandidaten vor allem für die kleinen Parteien wichtig - Männer ab 50 wählte SPÖ - Mit Infografik

Wer hat wen gewählt? Und aus welchen Motiven? Dazu hat das Meinungsforschungsinstitut OGM noch am Wahltag 1000 Steirer und Steirerinnen befragt. Das Ergebnis analysiert Politologe Peter Filzmaier im STANDARD-Gespräch so: "Schlüsselgruppen waren Pensionisten und Frauen. Die SPÖ hat bei den Senioren traditionell Vorteile, diesmal war sie aber besonders überlegen." 50 Prozent der Pensionisten wählten SPÖ, 39 die ÖVP. Auch bei der Generation 50 + dominierte die SPÖ deutlich. Die ÖVP lag nur bei den Wählern bis 29 Jahre vorn - mit 33 % gegenüber 32 % für die SPÖ. In dieser Wählergruppe waren KPÖ (11 %) und Grüne (9 %) sehr stark.

Deutlich voran war die SPÖ bei den Männern (43 % zu 36 % für die ÖVP), bei den Frauen lagen ÖVP und SPÖ mit 40 und 41 Prozent viel näher beisammen.

"Kontrolle von Missständen" - das war bei allen Parteien außer bei der ÖVP das wichtigste Wahlmotiv. Wähler von SPÖ, FPÖ, Grünen, KPÖ, BZÖ und LH gaben an, dass das Kontroll-Motiv für sie entscheidend war, einer dieser Parteien ihre Stimme zu geben. Nur bei den ÖVP-Wählern war die "gute Entwicklung im Land" das wichtigste Wahlmotiv (siehe Grafik).

Daraus schließt Filzmaier auch, dass die Wahl "vor allem eine Landtagswahl war. Die steirische ÖVP hat sich durch Affären und Skandale selbst beschädigt." In dieser Interpretation bestärkt Filzmaier, dass der "Protest gegen die Bundesregierung" nur eine geringe Rolle bei den Wahlmotiven spielte und kaum als Grund angegeben wird.

Die Person der Spitzenkandidaten war vor allem bei den kleinen Parteien wichtig: Besonders Ernest Kaltenegger war für die Stimmabgabe wichtig. Waltraud Klasnic hingegen hat laut Filzmaier "vor allem bei Wechselwählern und Unentschlossenen nicht mehr gezogen".

Die Rot-Rote-Karte, gespielt von der ÖVP, zog - vor allem bei Wählern von FPÖ, BZÖ und LH. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3. Oktober 2005)

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