Waschmaschinen im Visier von Hammer und Hightech

10. Oktober 2005, 11:34
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Aus ausrangierten Waschmaschinen wieder Rohstoffe zu machen fordert Körperkraft und Software, die hilft, die Geräte recyclinggerecht zu konstruieren

Die beiden Kinder halten sich die Ohren zu, dennoch zucken sie jedes Mal zusammen, wenn Hans Klasz den Hammer auf die festsitzende Trommel knallt. "So, jetzt kannst du wieder fest drehen", fordert er einen der Buben auf, nachdem die Schläge den Teil gelockert haben. Mit einem Schraubenschlüssel müht sich der Bub ab und dreht, bis sich der Ring gelöst hat. "So, und jetzt gibst du den in den Container, wo Aluminium draufsteht", fordert ihn Klasz auf.

"End-of-life-Management" assoziiert der Laie ja mehr mit Hospizbewegung oder Bestatterunternehmen. Hier, am Technikum Wien, kann man während der langen Nacht der Forschung erfahren, was es noch bedeutet: wie aus alten Elektrogeräten wieder Rohstoffe gewonnen werden können.

Ausrangierte Waschmaschinen sind die Demonstrationsobjekte, die das Kompetenzzentrum Kerp und der sozialökonomische Betrieb DRZ, wo Herr Klasz die Großgerätezerlegung und das Ersatzteilnetzwerk leitet, in dieser Nacht dazu nutzen. Vor allem Kinder sind von der Möglichkeit angetan, in den Innereien der Waschautomaten zu schrauben, zu drehen und abzuzwicken. Und anschließend die Teile in die richtigen Behälter zu werfen.

Aluminium, Kupfer in Motor und Kabel, anderes Altmetall - all das ist in den Geräten enthalten, ebenso problematische Reste wie Kondensatoren. 15 bis 20 Minuten braucht man beim DRZ, um eine Maschine fachgerecht zu zerlegen. "Solange die Hersteller nicht wirklich auf die Recyclingfrage eingehen, wird es nicht wesentlich schneller gehen", meint Anton Stengeli, Technischer Leiter des DRZ.

Dafür ist das Kerp da. Eine eigene Software namens "Prodtect" soll die "Informationslücke zwischen Konstrukteur und Recycling schließen", erläuter Kerp-Geschäftsführer Thomas Leitner. "Das Problem ist ja, dass es bis- her kaum Feedback gab", sekundiert der wissenschaftliche Leiter Christoph Herrmann.

Mit Prodtect können die Ingenieure die einzelnen Elemente ihres Gerätes in den Computer geben, inklusive Angaben über Material und Verbindungen.

Die Software berechnet dann, wie lange die Zerlegung dauert, welche Rohstoffe gewonnen werden können und wie viel Gewinn bleibt. Seit drei Jahren ist Prodtect in seiner jetzigen Version auf dem Markt, Electrolux und Magna Steyr gehören zu den größten Kunden.

Für die Besucher während der langen Nacht der Forschung gibt es aber auch andere Motive: "Ich habe schon so oft Wachmaschinen hinauf-und hinuntergeschleppt, dass ich mir das Ausweiden auch einmal anschauen wollte", meint der Vater des zehnjährigen Josef, während sein Sohn herumschraubt. (DER STANDARD, Print, 3.10.2005)

  • Waschmaschinen zerlegen: Das machte am vergangenen Samstag im Technikum Wien nicht nur Kindern Spaß.
    foto: standard/fischer

    Waschmaschinen zerlegen: Das machte am vergangenen Samstag im Technikum Wien nicht nur Kindern Spaß.

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