Mehrköpfige Monster und Horror-Pflanzen

3. Oktober 2005, 09:01
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Wie Kinderaugen Forschung sehen - insgesamt 47.000 Besucher bei der "Langen Nacht der Forschung"

Zwei Buben am Weg vom Vienna Biocenter in die Wiener Nacht: "Was passiert eigentlich, wenn man all die Dinge ohne Handschuhe angreift?" "Dann wirst du ein sechsköpfiges Monster mit zwanzig Armen." Beide lachen. Sie waren gerade im Vienna Biocenter und haben sich offenbar über Sicherheitsvorkehrungen bei der alltäglichen Arbeit in einem molekularbiologischen Labor informiert, haben gehört, dass sich die Forscher einerseits vor Gefahren schützen müssen wegen der "chemischen Mittel", wie das einer der beiden ausdrückt, und haben mit staunenden Augen vernommen, dass das Versuchsmaterial vor Verunreinigungen und äußeren Einflüssen bewahrt werden muss (z. B.: Mikroorganismen).

Die beiden Buben waren zwei von insgesamt 47.000 Besucher, die am vergangenen Samstag die "Lange Nacht der Forschung" in Wien, Linz und Innsbruck zum Tag machten. Insgesamt 150 Stationen waren geöffnet, wo sich Forscher und Forscherinnen über die Schulter schauen ließen. Die Veranstalter jubelten über die Besucherzahl. Die "Lange Nacht der Forschung" wurde von der Agentur Science Communications im Auftrag von Bildungs-, Infrastruktur- und Wirtschaftsministerium sowie dem Rat für Forschung und Technologieentwicklung organisiert.

Die Buben tratschen. "Fruchtfliegen beim Flirten, schauen wir dort auch noch hin?" Der zweite gluckst lachend. Der erste spricht von Manuela. Vermutlich seine bevorzugte Fruchtfliege. "Also gehen wir hin?" Der zweite ist eher für die Wiener Kriminaltechniker. "CSI im Fernsehen, das ist urcool." "Aber was sagen meine Eltern? Die werden wohl nichts gegen wissbegierige Kinder haben." Die "Lange Nacht der Forschung" musste man einfach nützen. Ein paar Stunden fernab von elterlicher Kontrolle - und dann noch Spaß haben. Ist doch genial.

"Gehen wir doch in den Botanischen Garten." "Nein, Blumen sind was für Mädchen." Sie lesen das Programm. "Bedrohte und bedrohliche Pflanzen. Was heißt denn das?" "Na Blumen, die du nicht mehr pflücken darfst, weil es so wenige gibt, und Blumen, die Fleisch fressen." "Igitt", gibt der andere zur Antwort. Sie beschließen in die Wiener Mechelgasse in den Botanischen Garten zu gehen. "Dort werde ich dich einer Fleisch fressenden Rose zum Fraß vorwerfen!" Die Buben kreischen und rennen los.

In der Mechelgasse warten schon lebende "pflanzliche Zeugen" aus der Dinosaurierzeit. Wollemia nobilis heißt eine Baumart, die lange als ausgestorben galt und Mitte der neunziger Jahre wiederentdeckt wurde. Sie beeindruckt ihre Besucher, ist schön, aber auch genauso wenig gefräßig wie eine Rose. Die Abenteuer finden eben immer noch hauptsächlich im Kopf, nicht so sehr in den Forschungslabors und wissenschaftlichen Instituten statt. (DER STANDARD, Print, 3.10.2005)

Peter Illetschko
  • Wie sicher ist die Sicherheit im Labor? Kinderaugen inspizieren Handschuhe und andere Schutzvorrichtungen.
    foto: standard/fischer

    Wie sicher ist die Sicherheit im Labor? Kinderaugen inspizieren Handschuhe und andere Schutzvorrichtungen.

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