Die Frage der Reputation

18. Juli 2006, 13:46
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Der gute Ruf ist im Berufsleben ein hohes Gut. Susanna Wieseneder arbeitet am persönlichen Reputationsmanagement

Der gute Ruf gehört zu den so genannten "intangible assets", also den buchhalterisch nicht darstellbaren Werten im Wirtschaftsleben. Für Agenturen und Berater gehört Reputationsmanagement zur Angebotspalette. Personal Councelor Susanna Wieseneder legt ihren Fokus auf das Arbeiten an der Reputation von einzelnen Menschen. Denn gerade Manager und Führungskräfte, die auch im Rampenlicht der Medien stehen, werden schnell von Helden zu Schurken, wie jüngst auch die Schmiergeld-Skandale in der deutschen Automobilwirtschaft zeigten.

Fragiles Gut

"Der Aufbau von Reputation dauert Jahre, zerstört kann sie in wenigen Minuten sein", so Wieseneder. Dies entweder durch Eigenverschulden oder von außen, durch üble Nachrede, Gerüchte, Verleumdung, Rufmord.

"Der Eigenanteil liegt oft in der Verletzung von Vertrauen, dem Anstand oder der Etikette, gründet aber auch etwa in Misserfolg." Neid und Projektionen seien meist die Motive bei absichtlicher Rufschädigung von außen. Überwiegend seien beide Anteile im Spiel, beobachtet Wieseneder.

Auch wenn das Sprichwort, wonach es sich unbeschwert lebe, sobald der Ruf erst einmal zerstört ist, lustig klinge, sagt Wieseneder: "Das gilt höchstens für jemanden, der aussteigen oder auswandern will." Innerhalb des Berufslebens spiele der Ruf eine zentrale Rolle, wenn es um Jobveränderung, Krisen, die Aufnahme in Netzwerke oder erste Auftritte in der Öffentlichkeit geht. Wieseneder: "Reputation wird so zum strategischen persönlichen Vermögenswert." Immerhin sei es ja üblich, bei Besetzungen Referenzen einzuholen.

Diesbezüglich, so Wieseneder nach eigenen Umfragen in heimischen Managerzirkeln, erweise sich der innere Kreis, also Kollegen, Mitarbeiter aber auch Mitbewerber, als stärkster Reputationsgeber. Es folgen: die Medien. "Im Vorstandsbereich sind die zentralen Faktoren der Reputation Glaubwürdigkeit, Zuverlässigkeit und Verantwortungsbewusstsein", so ein Ergebnis der Befragungen.

Dass das Thema des guten Rufs im Wettbewerb um die besten Karriereplätze immer wichtiger wird, zeigt auch eine neue Vorlesung an der Linzer Kepler-Uni im aktuellen Wintersemester, in dem Wieseneder die Relevanz der Reputation bei Unternehmensgründung und -entwicklung lehrt.

Insgesamt sieht Wieseneder die Reputation von Frauen verletzlicher als die von Männern. Für beide gilt aber: Auch wenn der Ruf angepatzt ist, lässt sich das reparieren. Zwar nicht schnell, mit den adäquaten Techniken aber wirksam. Die Vorgangsweise:

  • Prüfung der Eigen- und Fremdanteile an der Rufschädigung. Hohe Bereitschaft zur Selbstreflexion sind dazu Voraussetzung.
  • Einstellungs- und Verhaltensänderungen überlegen und umsetzen.
  • Indirekte und direkte Kommunikationskanäle suchen, Zeugen, Mitstreiter und Verbündete identifizieren.
  • Überprüfen, ob sich am Ruf etwas verändert hat.


Der Status der Reputation lasse sich jederzeit mit bestimmten Techniken überprüfen, so Wieseneder, die in diesem Bereich mit Managern und Politikern arbeitet. Wie schnell sich "etwas drehen lässt", hänge von der spezifischen Situation ab.

Wichtig ist ihr: "Dass die Beschäftigung mit dem Ruf nicht bei Unternehmen als Gesamtheit und beim CEO endet. Die Frage der Reputation betrifft alle, die Plätze in der qualifizierten Arbeitswelt einnehmen wollen." (kbau, Der Standard, Printausgab 1./2.10.2005)

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