"Ich bin Problemlöser"

10. November 2005, 13:02
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Franz Nigl, schon bei Telekom Austria mächtiger Personalentscheider, positioniert nun die ÖBB neu

Er neige zwar zu einer "gewissen Härte" und gehe Konflikten nicht aus dem Weg, sagt Franz Nigl. Über den oft schaudernd ausgesprochenen Beinamen "mächtigster Personalist des Landes" freut er sich allerdings nicht, das birgt ihm zu viele Missverständnisse: "Eine solche Verwendung des Wortes Macht erzeugt Ohnmacht auf der anderen Seite, das ist keine Ausgangsbasis. Ich sehe mich als Problemlöser", sagt der gelernte Nachrichtentechniker, der seit November 2004 Geschäftsführer in der ÖBB Dienstleistungsgesellschaft ist.

Willi Haberzettl, Chef der Eisenbahnergewerkschaft, hat offenbar weniger Probleme mit der Definition wirksamer Machtausübung? Nigl lacht, formuliert seine Wertschätzung und sagt: "Ich sehe das Geld der ÖBB, als wäre es meines." Und: "Nur zu sagen, ich habe Macht, ist zu wenig. Das ist auch nicht mein Stil. Aber: Ich entscheide. Manchmal auch falsch."

Das alles hat ÖBB-Aufsichtsrat Wolfgang Reithofer gefallen, und er holte Nigl aus der Telekom zur Bahn. Dass Nigl über Kreativität und Kommunikationsgeschick verfügt, hatte er in der Telekom mit ihrem erhöhten Kündigungsschutz bewiesen. Über 9000 Mitarbeiter verließen dort über seinen Schreibtisch das Unternehmen.

Werden es, wie derzeit im Raum steht, bei der Bahn 12.000 sein? "Das Ziel ist eine positive Bilanz. Mein Auftrag ist, die Personalkosten zu managen." Was das für den Personalaufwand von derzeit rund zwei Mrd. Euro (bei 2,7 Mrd. Umsatz 2004) bedeute, hänge von Eigentümerzuschüssen und Rahmenbedingungen der Benutzer ab.

Aber, betont er, er sei auch als Personalentwickler geholt worden. Dies mit einem Vierjahresvertrag, "meine Perspektive sind aber neun Jahre, sonst kann man nichts verändern". Nigl braucht tatsächlich ordentlich Kreativität und Schubkraft, um die Bahn als Arbeitgeber neu zu positionieren. Um die Pläne auf Schiene zu bringen, ist ihm in allen Gesellschaften mit ihren 19 Vorständen und Geschäftsführern die Prokura verliehen.

Vor der Pensionsreform war der Run auf Frühpension riesig. Rund 600 ÖBBler sind letztlich solcherart gegangen. Die Ausgliederung des Reinigungspersonals (1000 Menschen) ist aktuell ebenso in Diskussion wie eine Arbeitsstiftung, die Nigl als Outplacement möchte.

"Productive Aging gibt es in der ÖBB nicht, Teilzeit ist verpönt", bedauert Nigl. Er will den auf sechs Prozent liegenden Frauenanteil im Konzern deutlich heben. Nigl glaubt an gemischte Teams, will vor allem mehr Frauen als Zugbegleiter. Dazu müsse die ÖBB aber Lösungen zur Vereinbarkeit anbieten. Ein Frauenförderungsprogramm startet noch heuer konzernweit auf Führungskräfte- und Assistentinnenebene, bei den Lehrlingen liegt der Fokus auf Mädchen. "Da kann ich etwas beeinflussen", sagt der Vater zweier Buben programmatisch.

Auf der Personalentwicklungsseite steht er vor einer Altersstruktur, in der 15 Prozent über 50 sind und Handlungsbedarf vor allem bei den unter 40-jährigen deutlich wird. 220 Menschen sollen heuer insgesamt aufgenommen werden, der Fokus liegt auf Triebfahrzeugführern und Fahrdienstleitern, aber auch in den Finanzen und im Controlling. Die Bau AG braucht technisches Personal. Ein Trainee-Programm zur Führungskräfteentwicklung im Gesamtkonzern läuft im zweiten Durchgang. Derzeit vereinheitlicht er das Mailsystem. "Kommunikation zum Mitarbeiter ist die Basis."

Ab und an hört er in die ÖBB-Hotline hinein, nimmt auch schon einmal den Hörer ab. "Das ist ja die Visitenkarte des Unternehmens". Und das soll sich zu einem der attraktivsten Arbeitgeber entwickeln. (kbau, Der Standard, Printausgabe 1./2.10.2005)

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