Abstumpfen für Geld? - Nein!

4. November 2005, 16:28
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"Das Wirtschaftsmagazin für Ihren persönlichen Vorteil" mit dem logischen Namen "Gewinn" ist nun angetreten ...

Das Wirtschaftsmagazin für Ihren persönlichen Vorteil mit dem logischen Namen "Gewinn" ist nun angetreten, bei der Lösung eines Problems zu helfen, das Hunderttausenden unter den Nägeln brennt: Das verdiente Geld reicht nicht. Das Magazin weicht dabei der Tatsache nicht aus, dass sich in Österreich die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter öffnet, es betont sie aber auch nicht über Gebühr.

Man weiß, die Urlaubsabrechnung von den Kreditkartenfirmen, aber auch der Schulbeginn hat wieder tiefe Löcher in die angespannten Geldbörsen vieler Familien gerissen hat. Der Druck in der Firma hat nach dem Sommer wieder deutlich zugenommen, die Hektik ist groß und man stellt fest, dass für die private Vorsorge wieder einmal viel zu wenig, also kaum bis gar nichts übrig bleibt. Vom Ansparen für die Weihnachtsgeschenke, geschweige denn den nächsten Urlaub, den Kinder und der Partner bereits fordern, gar nicht zu reden.

Weit von dem Aberglauben entfernt, die Politik könnte an diesem naturgesetzlichen Zustand etwas ändern oder sollte es gar versuchen, versetzt sich "Gewinn" in rührender Weise dennoch in die Lage der Betroffenen und will ihnen helfen. Das Erfrischende daran: "Gewinn" meidet banale Lösungen, wie etwa die Forderung nach mehr Gehalt, schon deshalb, weil sie gar nicht jugendgerecht wäre. Den Älteren unter uns fällt an dieser Stelle vielleicht das Lied "Hey Boss, ich brauch mehr Geld!" ein. Die simpelste Variante, die aber in vielen Fällen nicht wirklich ausreicht, um Bäume auszureißen. Die Leute von "Gewinn" kennen das Leben und wissen, wie man Bäume ausreißt: Es muss also ein Neben-oder Teilzeitjob her.

Und dafür - lassen Sie sich von niemandem etwas anderes einreden - gibt es genügend Stellenangebote. Das Problem liegt eher dort, wo manchen, denen wieder einmal viel zu wenig, also kaum bis gar nichts übrig bleibt, beim besten Willen nicht einfällt, welcher Nebenjob sie interessieren könnte, oder dass ihnen bei Ausübung eines solchen erst recht wieder viel zu wenig, also kaum bis gar nichts übrig bleiben könnte. Und in dieser Notlage springt "Gewinn" mit Rat und Tat ein.

Der Druck auf dem Arbeitsmarkt ist für viele sehr groß, und die Verhältnisse zeichnen nicht gerade das positivste Bild. Aber obacht! Dennoch macht Geld allein bekanntlich auch nicht glücklich, und wer zusätzlich zu seinem bestehenden Job eine Tätigkeit für längere Zeit nur wegen des Geldes ausübt, stumpft sehr rasch ab. Das darf nicht sein! Daher bietet das Magazin, falls sie keine Idee haben, welcher Nebenjob Sie interessiert - hier eine kleine Auswahl.

Bei der Lektüre dieser kleinen Auswahl werden sich viele an den Kopf greifen, wieso sie die Idee zu diesem oder jenem Nebenjob nicht längst hatten. So kann ein Briefträger, dem wieder einmal viel zu wenig, also kaum bis gar nichts übrig bleibt, zum Beispiel Postler werden, ein Schriftsteller kann Schriftsteller werden, in einer freien Wirtschaft aber ebenso gut Spendeneintreiber, nebenberuflich. Warum sollte ein gelernter Musiker nicht Musiker werden, wenn er sich den Anforderungen eines Medikamententesters nicht gewachsen fühlt?

Ein interessanter Nebenjob ist laut "Gewinn" auch Journalist, vorausgesetzt, man wird seine Ware nicht lieber nebenbei bei Haustürgeschäften los. Eigentlich lässt sich jeder Beruf, den man erlernen kann, auch nebenbei ausüben, es braucht ja nicht gerade Arzt zu sein, auch bei Level Marketing muss man nicht rasch abstumpfen, gar nicht zu reden von Transporteur oder Übersetzer, für den Fall, dass man als Übersetzer zu teuer oder als Überlandfahrer unausgelastet ist. Gärtner kann man gelernt haben und dennoch als Dogsitter sein Glück im sozialen Winkel finden, wenn man seine Begabung als Powerseller oder Spieleerfinder noch nicht entdeckt hat.

Sollten Sie daher in der Lage sein, bei der Wahl der Nebenbeschäftigung auch darauf achten zu können, was Ihnen Spass macht, dann ist die Ausgangslage optimal. Wie vielen Frauen, die Geld brauchen, aber nicht rasch abstumpfen wollen, würde es Spass machen, nebenbei Hausarbeiter (z. B. Nähen) zu werden - schon wegen des hohen Sozialprestiges! Manches, was "Gewinn" vorschlägt, ist für Menschen, die einen Nebenjob mit Erfüllung suchen, auch ausbaubar. Es muss nicht bei Blutspenden/ Plasmaspenden bleiben - Nierenspenden wäre ein Nebenjob, der niemals abstumpft, auch wenn man ihn für längere Zeit nur wegen des Geldes ausübt. Unter den vorbildlichen Arbeitsbedingungen der Dritten Welt übrigens ein Beruf mit Zukunft. Zwischendurch kann man sich ja bei einem Relocation Service jobmäßig entspannen.

Nebenjobs, die aber wirklich jeder ohne besondere Voraussetzungen erfüllen kann, sind Vermieter und Vermögensberater. Als teilzeitarbeitender Vermieter braucht man nicht einmal eine Wohnung, daher ideal für Studenten: Sie vermieten einfach ihr Bett, während sie auf der Uni sind! Der Bettgeher hat in Wien eine ehrenwerte Tradition. Und Vermögensberater? Das kann jeder Flughafen-Cleaner, der einmal "Gewinn" gelesen hat. (DER STANDARDM; Printausgabe, 1./2.10.2005)

Von Günter Traxler
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