Wahl und Wirklichkeit

4. November 2005, 16:23
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Am Sonntag, da sind Wahlen, es wird Sieger und Besiegte geben in der Steiermark, doch anhand der Statements der Wahlkämpfer ...

Am Sonntag, da sind Wahlen, es wird Sieger und Besiegte geben in der Steiermark, doch anhand der Statements der Wahlkämpfer wird man nach dem Schließen der Wahllokale den Unterschied wohl nicht erkennen können. Außer es droht Erdrutschartiges; außer man dreht den Ton ab und lässt Gesichter sprechen. Das ergibt jedenfalls eine bei unserem Gedächtnis in Auftrag gegebene Umfrage.

Natürlich, unlängst bei Gerhard Schröder, hätte auch dies in die Irre geführt. Bei dem von ihm selbst später als "suboptimal" bezeichneten Auftritt in der Elefantenrunde erweckte er mit und ohne Ton den Eindruck, als hätte er die Absolute geschafft. Ob der Auftritt der Demokratie förderlich war, mögen Klügere entscheiden.

Aus Sicht des TV-Zeugen war's erfrischend, da wurde Fernsehgeschichte geschrieben; das unterschied sich doch von den üblichen Phrasen nach Wahlgängen, bei denen Sieger von Demut sprechen und Besiegte zu traurigen Sprechautomaten mutieren. Von solchen Erfahrungen rührt unser Bedauern her, dass die Statements, die nach der Wahl abgegeben werden, nicht schon vorher bekannt sind. Es würde die Entscheidung erleichtern.

Wie auch immer. Wir hoffen, dass es in der Steiermark nach Wahlschluss interessant bleibt. Wenn nicht, schalten wir um nach Deutschland, wo ja in Dresden Nachwahlen bevorstehen und der Nochkanzler eine zweite Gelegenheit bekommt, die Wirklichkeit ganz subjektiv einzukleiden. (tos/DER STANDARD; Printausgabe, 1./2.10.2005)

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