"Nachhoppeln stimmt nicht" - Neue RTL-Chefin im STANDARD-Interview

18. Oktober 2005, 21:24
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Anke Schäferkordt über kolportierte Kündigungen und die Partnerschaft mit dem ORF

STANDARD: ProSiebenSat.1 setzt relativ viele Programmaktivitäten in Österreich, etwa Frühstücks-TV. Sie haben so kurz nach ihrem Dienstantritt wohl andere Sorgen ...

Schäferkordt: ... Sorgen habe ich nicht, schauen Sie sich unsere Quoten im September an. Herausforderungen gibt's allerdings immer.

STANDARD: Sorgen haben vielleicht Ihre 1200 Mitarbeiter, von denen laut "Süddeutscher Zeitung" bis zu 200 gehen müssen - und 300 ständige freie.

Schäferkordt: Wir prüfen die Strukturen der Senderfamilie auch im Hinblick auf den Umzug 2008. Dann werden verschiedene Sender der Gruppe unter ein Dach ziehen. Das haben wir offen an die Mitarbeiter kommuniziert. Jede spekulierte Zahl ist unseriös, da der Prozess erst begonnen hat.

STANDARD: Kommen RTL-Programmfenster für Österreich?

Schäferkordt: Das ist im Moment nicht geplant. Wir spielen nicht mit dem Gedanken, weil sich das für uns nicht refinanzieren ließe.

STANDARD: Ihr Vorgänger, der heutige Manager der europaweiten RTL Group, Gerhard Zeiler, verhandelte nach Medienberichten 2004 über einen Einstieg bei ATV+, scheiterte aber an der Ablehnung der RTL-Eigentümer. Was hielten Sie von einer Beteiligung?

Schäferkordt: Ich bin zuständig für die deutsche Senderfamilie. Das internationale Geschäft liegt bei der RTL Group und damit bei Herrn Zeiler, bitte fragen Sie ihn.

STANDARD: Die Zurückhaltung von RTL in Österreich wurde lange auf den Programmvertrag mit dem ORF zurückgeführt, der bald auslaufen sollte. Nun soll er verlängert werden, weil der ORF noch nicht Programme im vereinbarten Umfang abgenommen hat?

Schäferkordt: Ich glaube, es liegt daran, dass die Kollegen weiter zusammenarbeiten wollen.

STANDARD: Zurück nach Deutschland: Man hatte den Eindruck, RTL hoppelt bei vielen Programmtrends hinterher.

Schäferkordt: Erst 2004 hat RTL mit der "Super Nanny" die Coaching Formate in der Primetime etabliert, ein Jahr davor mit "Deutschland sucht den Superstar" den Castingboom ausgelöst, um nur zwei Beispiele zu nennen. Aber für die letzte Saison ist sicher richtig, dass nicht jedes neue Format den gewünschten Erfolg hatte. Nachhoppeln stimmt deshalb aus meiner Sicht nicht. RTL ist in jedem wichtigen Genre vor der privaten Konkurrenz: bei der Stundenserie, bei der Daily Soap, bei den Infoformaten für die jungen Zuschauer und so weiter.

STANDARD: Nicht so bei Telenovelas, Impro-Comedy ...

Schäferkordt: Bei den täglichen fiktionalen Serien - nichts anderes sind auch Telenovelas - sind wir mit unseren Soaps "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" und "Unter uns" seit über zehn Jahren bestens aufgestellt. Das Thema Telenovela schauen wir uns an. Man wird jedoch nicht unbedingt jedes neue Format bei RTL bringen können.

STANDARD: Sie wollen mit RTL wieder Marktanteile von 17 Prozent schaffen. Wann?

Schäferkordt: Wir bewegen uns schon in die Richtung.

Zur Schleichwerbeaffäre in Sat.1 erreichte DER STANDARD Schäferkordt Freitag nicht. Ein RTL-Sprecher dazu: "Es gibt Regeln, die Schleichwerbung verbieten. Es ist Philosophie unseres Hauses, sich an Regeln zu halten." (DER STANDARD; Printausgabe, 1./2. 10. 2005)

Zur Person

Anke Schäferkordt (42) war Controllerin bei Bertelsmann, führte erfolgreich Vox und nun seit 1. September RTL.

Die Fragen stellte Harald Fidler.

  • Eigenes Programmfenster für Österreich "ließe sich für uns nicht refinanzieren", sagt RTL-Chefin Schäferkordt.
    foto: rtl

    Eigenes Programmfenster für Österreich "ließe sich für uns nicht refinanzieren", sagt RTL-Chefin Schäferkordt.

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