Eine Déjà-vu-Wahl für die beiden Großen

2. Oktober 2005, 16:07
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Klasnic feierte schon 2000 trotz mieser Umfragen einen Triumph - "Volkspolitikerin" hatte abgeräumt - mit Infografik

Vor zehn Jahren stand die ÖVP schon einmal vor der Gefahr, das Land an die SPÖ abgeben zu müssen. Sie blieb letzten Endes knapp vorn, inthronisierte Waltraud Klasnic, die die Partei wieder in lichte Höhen führte. Trotz mieser Umfragen feierte sie 2000 einen Triumph.

"Klasnic erobert die Steiermark", titelte DER STANDARD am 16. Oktober 2000. Die steirische Landeshauptfrau hatte tags zuvor ein – von niemandem in dieser Dimension vorausgesagtes – Wahlergebnis für die ÖVP nach Hause gebracht: 47 Prozent. Das bedeutete ein Plus von elf Prozent sowie einen zusätzlichen Regierungssitz. Einen Monat vor der Wahl hatte eine OGM-Umfrage der Kleinen Zeitung für Waltraud Klasnic matte 38 Prozent errechnet.

Der Bundeskanzler der damals neuen Blau-schwarzen-Koalition, Wolfgang Schüssel, eilte am Wahlsonntag umgehend nach Graz, um sich unter die feiernde ÖVP-Gemeinde zu mischen. "Abstauber" wurde gezischelt.

Flächendeckend abgeräumt

Waltraud Klasnic hatte flächendeckend abgeräumt und vor allem FPÖ-Wähler, die 1995 auf eine 17-Prozent-Stärke angewachsen waren, wieder ins schwarze Lager zurückgeholt.

Überall sind der "Landesmutter" die Herzen zugeflogen, in den Bauerngemeinden der Oststeiermark, in den südsteirischen Weinregionen, in den Bezirkshauptstädten, ja sogar in den Industriebezirken. Und selbst in Graz schnellte die ÖVP von 28 auf 40 Prozent hoch. Die Grünen legten um 1,5 Prozentpunkte auf 5,6 Prozent zu. Schwarz- Grün hätte im Landtag über eine bequeme Mehrheit verfügt.

"Volkspolitikerin"

Die 2000er-Wahl war‑ als Testdurchgang für die schwarz-blaue Koalition gewertet worden – dann aber, als das Sensationsergebnis vorlag und Bundes-Koalitionspartner FPÖ dermaßen massiv verlor, wurde doch näher hingeschaut und der Wahlsieg einzig und allein Waltraud Klasnic zugeordnet. Sie war 1995 als "Volkspolitikerin" auf der Bühne erschienen, ihre Politik auf Augenhöhe, ihre Menschenverbundenheit, dieses von ihr vermittelte "Eine-von-uns"-Image traf offenbar punktgenau die Wähler in ihrem Wunsch nach neuer Bescheidenheit in der Politik, nach einem neuen Politikertypus.

Wie gewonnen ...

Die SPÖ verlor 2000 wieder alles, was sie 1995 gewonnen hatte. Sie rutschte um mehr als drei Prozent ab und landete bei 32 Prozent. Eine bittere Niederlage, denn noch fünf Jahre zuvor war die Sozial^demokratie der ÖVP auf 2414 Stimmen nahe gekommen. Eine gewisse Überheblichkeit in der Einschätzung der volkstümlich auftretenden Waltraud Klasnic und die daraus resultierende SPÖ-Politik hatten letztlich den Platz an der Sonne gekostet.

KPÖ auf 1 Prozent

Die FPÖ bekam 2000 die Regierungsbeteiligung im Bund zu spüren und rutschte auf zwölf Prozent ab. Ein Wert, von dem die heutige Rest-FPÖ nur noch träumen kann. Die KPÖ verdoppelte damals ihren Stimmenanteil. Auf Minimalniveau. Die Kommunisten erreichten nach 0,57 Prozent in diesem Jahr 1,03 Prozent. Fünf Jahre später wird ihnen eine 1000-prozentige Steigerung zugetraut.

Nichtwähler sind zweitstärkste Partei

Bemerkenswert an der Wahl 2000 war auch, dass die Nichtwähler zur zweitstärksten Partei angewachsen waren. Folgerichtig etablierte sich diesmal in der Landeshauptstadt Graz, die von der Wahlverweigerung besonders betroffen ist, eine Partei der Nichtwähler. Wobei sich der Trend des Nicht-Wählens 2000 durch alle Bezirke gezogen hatte, wie die beiden Grazer Wissenschafter Markus Hadler und Max Haller vom Institut für Soziologie der Universität Graz in einer Nachwahluntersuchung analysierten.

Die damals erhobenen Motive könnten auch diesmal eine Rolle spielen. Bei 67 Prozent der ÖVP-Wähler spielte für die Wahlentscheidung die Person Waltraud Klasnic die maßgebliche Rolle Nur zu‑ 20 Prozent war es die Tradition oder die Ideologie.

Riskante Wahlkampfstrategie

Da Klasnics Imagewerte in den letzten Monaten im Sog von Affären und Hoppalas nicht unerheblich gesunken sind, war die Zuspitzung auf einen reinen Persönlichkeitswahlkampf, auf ein "Duell" der Spitzen, zweifellos eine riskante Wahlkampfstrategie. (DER STANDARD, Printausgabe 1./2.10.2005)

Von Walter Müller
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