Konflikt für Opposition "unglaublich" und "jenseitig"

8. November 2005, 13:00
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AK will Schulreform statt Neuinterpretation der PISA-Ergebnisse

Wien - "Völlig unglaublich" und "jenseitig" agiert die ÖVP nach Ansicht der Opposition in ihrer Auseinandersetzung mit dem Erziehungswissenschafter Günter Haider. Die Tatsache, dass Haider bei einer Pressekonferenz von ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon nicht zugelassen worden sei, zeige, dass Amon "Angst hat", der Wissenschafter könne "seinen Luftballon platzen lassen". "Das ist nur mehr Feigheit und zeigt, auf welch wackeligen Füßen die 'Vorwürfe' Amons gegen Haider stehen", so Niederwieser in einer Aussendung.

"Es ist schäbig, einen Betroffenen nicht zu Wort kommen zu lassen und ihm die Gelegenheit zu verwehren, direkt etwas zu den Vorwürfen zu sagen", so Niederwieser, "das ist die Gesprächskultur und der Stil der ÖVP - ein anerkannter Bildungsexperte wird einfach vor die Tür gesetzt." Offenbar hätten die ÖVP-Vertreter "den PISA-Bericht immer noch nicht gelesen". Bei den "Unterstellungen" handle es sich "zum Teil um Unwahrheiten bzw. um Behauptungen mit Null Neuigkeitswert". Die Berechnungsmethoden und Durchschnittswerte seien allesamt im Bericht enthalten. Der Grund, warum Österreichs Schüler nicht besser abschneiden, liege sicher nicht bei PISA, sondern bei der Regierung.

Für "jenseitig" hält der Grüne Bildungssprecher Dieter Brosz die Interpretation der PISA-Ergebnisse durch Amon. Die OECD habe zu Recht festgestellt, dass alle Berufsschüler einzubeziehen seien, auch jene, die geblockt unterrichtet werden und zum Zeitpunkt des Tests deshalb nicht in den Schulen waren. Dieser Fehler des Jahres 2000 sei 2003 korrigiert worden. "Amon muss akzeptieren, dass die Ergebnisse des Jahres 2000 in Wirklichkeit schlechter waren als sie dargestellt wurden. Das Ministerium hat dazu jahrelang wissentlich geschwiegen und stattdessen Plakate drucken lassen, die unser Schulsystem als Weltklasse bezeichnet hatten".

Die Arbeiterkammer (AK) forderte in einer Aussendung "endlich konsequente Schulreformen" statt die PISA-Ergebnisse neu zu interpretieren. Die Einführung eines verpflichtenden Vorschuljahrs sei "überfällig, ebenso ein Recht der Eltern auf ganztägige Schulen für ihre Kinder. Letztlich brauchen wir auch Schritte in Richtung einer gemeinsamen Schule für alle unter 14 Jahren". (APA)

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