Porträt: Volksschullehrer, "Mister PISA", Kommissions-Chef

8. November 2005, 12:59
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Günter Haider ist im Bildungsministerium und bei ÖVP in Ungnade gefallen

Wien - Wird in Österreich über Bildungspolitik oder die internationale OECD-Bildungsvergleichsstudie PISA diskutiert, kommt man an einem Mann nicht vorbei: Günter Haider. Der Salzburger Erziehungswissenschafter betreute nicht nur den internationalen Vergleichstest TIMSS (Third International Mathematics and Science Study). Er ist seit 1998 auch Leiter des an der Universität Salzburg eingerichteten Projektzentrums für Vergleichende Bildungsforschung und damit mit der Durchführung der internationalen Mega-Studie PISA in Österreich betraut.

Zudem berief ihn Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) auch an die Spitze der von ihr 2003 eingesetzten Zukunftskommission für die Reform des Schulwesens, die im heurigen Frühjahr ihren Abschlussbericht vorlegte.

Vom Professor zum "Assistenten"

Standen in dieser Mission zahlreiche gemeinsame Auftritte mit Gehrer auf dem Programm, herrscht nach Haiders Kritik an der seiner Meinung nach mangelnden Umsetzung der Reform-Vorschläge seiner Kommission und am Sparkurs im Bildungsbereich Eiszeit zwischen ihm und der ÖVP: Das Bildungsministerium spricht von ihm nicht mehr wie bisher als "Professor", sondern bezeichnet ihn als "Assistenten" (Haider ist Assistenzprofessor, Anm.), ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon warf ihm eine falsche Darstellung der PISA-Ergebnisse vor und forderte von ihm eine Offenlegung seiner Honorare - Haider selbst konterte mit dem Vorwurf der "Lügen" und einer "mehr als üblen und verleumderischen Attacke".

Leben

Haider wurde am 5. Oktober 1952 in Grein an der Donau (OÖ) geboren. Er maturierte am Bischöflichen Musik-Pädagogischen Oberstufenrealgymnasium in Linz, besuchte die Pädagogische Akademie in Linz und absolvierte 1973 das Lehramt für Volksschulen. Begleitend zu seiner Tätigkeit als Lehrer bildete er sich weiter: 1980 folgte das Lehramt für Hauptschulen, vier Jahre später jenes für Polytechnische Schulen und 1987 das Lehramt für Informatik. Zwischen 1981 und 1987 studierte Haider an der Uni Salzburg Erziehungswissenschaften und wurde 1987 promoviert. Haider wechselte darauf hin von der Praxis in die Theorie und wurde Assistent an der Uni Salzburg. Zwischen 1991 und 1995 folgte ein Zweitstudium in Psychologie und die zweite Promotion 1995.

Neben seinem Spezialgebiet "Computer im Unterricht" widmete sich Haider zunehmend dem Gebiet der internationalen Bildungsvergleiche, das spätestens seit Präsentation der Ergebnisse der ersten PISA-Studie im Jahr 2001 auch in einer breiten Öffentlichkeit große Aufmerksamkeit genießt. (APA)

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