Melange: Prager Sesselfrieden

24. Oktober 2005, 18:38
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200 historische Stühle aus der Hofburg und dem Kaiserschloss kommen zurück nach Wien: Aus Ehrensache sogar restauriert

Niemand kann sagen, ob sie in Schönbrunn wirklich abgegangen sind, jetzt steht jedenfalls fest, dass sie zurückkommen: jene 200 historischen Stühle, die im Jahr 1944 aus der Hofburg und dem Kaiserschloss in das südmährische Schloss Uherice überstellt wurden, um sie vor den Bombardements in Wien zu schützen.

Nach dem Krieg wurde der deutsche Schlossbesitzer enteignet. Das Wiener Mobiliar geriet in Vergessenheit - bis es im letzten Jahr zum "Sesselkrieg" zwischen Wien und Prag kam. "Bis heute verweigert Tschechien die Rückgabe", schrieb die Krone empört.

Am Donnerstag entschied die Prager Regierung auf Initiative von Außenminister Cyril Swoboda, die denkmalgeschützten Kulturgüter an Wien zurückzugeben. Vor einem Jahr hatte Swoboda für diesen Vorstoß noch keine Mehrheit gefunden. Zu angespannt war das Verhältnis zwischen Wien und Prag, die Sessel gerieten zum diplomatischen Faustpfand.

Nun müssen sich Tschechien und Österreich nur noch auf die Modalitäten der Übergabe einigen. Und weil die Sessel mittlerweile Ehrensache sind, will Tschechien sie auch restaurieren.

Das könnte übrigens mehr Arbeit sein als erwartet: Es handelt sich nämlich insgesamt um 238 Objekte. (tó/DER STANDARD, Printausgabe, 30.09.2005)

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    foto: standard/regine hendrich
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