Wolken ziehen vorüber

14. Oktober 2005, 19:18
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Neue Kurzfilme von Jean-Claude Rousseau: "Comme une ombre légère" und "Non rendu"

"Drei Mal Nichts" steht am Ende von "Comme une ombre légère" (2005), und eine automatische Anrufbeantworterstimme fügt abschließend "keine Message" hinzu. Davor hat sich tatsächlich wenig ereignet, und doch hat man vieles gesehen: Wolkenbewegungen über einer Aussichtsplattform, das Montblanc-Massiv, das durchs Panoramafenster eines Restaurants sichtbar wird und zugleich so wirkt, als wäre es ein Dialeuchtkasten an der Wand, oder zwei Männer, die schweigend Räume miteinander teilen.

Der Regisseur, Jean-Claude Rousseau, geboren 1946, studierte Jus, bevor er während Aufenthalten in New York mit der Filmavantgarde in Berührung kam. Seinen ersten eigenen Film drehte er 1983: "Jeune femme à sa fenêtre lisant une lettre" - schon der Titel verweist auf die Tradition der Malerei, des Tafelbildes oder der Fotografie, in der noch Rousseaus jüngste Arbeiten zu sehen sind. Lange Einstellungen mit statischer Kamera aufgenommen, im öffentlichen Raum oder in Hotelzimmern, mit diskreten Arrangements von Figuren und Bewegungen.

"Non rendu" etwa - die zweite neue Videoarbeit, die bei der Viennale ihre österreichische Erstaufführung erlebt - beginnt mit der Ansicht eines Doppelbetts, das nächste Bild zeigt das dazugehörige Zimmer, in weiterer Folge betritt der Filmemacher die Szene, positioniert sich, nimmt kleine Tätigkeiten vor. Auf den ersten Blick fast übersehbare Variationen bestimmen im weiteren Verlauf eine Serie von (scheinbaren) Wiederholungen. Und über die Tonspur wird schließlich Nähe zu einem anderen Zimmer, einer Frau und dem mit ihr stattfindenden Gespräch hergestellt. Eine dezente Etüde zu Raum, Zeit und Wahrnehmung. Unauffällige Suchbilder, die den Blick wieder schärfen. (irr/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.9.2005)

21. 10., Stadtkino, 18.00;

22. 10., 13.00

  • "Comme une ombre légère"
    foto: viennale

    "Comme une ombre légère"

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