Die Bierkapselrepublik

20. März 2006, 21:00
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Hans Eschers Inszenierung von "Der Alpenkönig und der Menschenfeind" in den Linzer Kammerspielen

Wenn der brillante Heinz Weixelbraun seine Sprache plötzlich ins Wienerische abdriften lässt oder wenn er aus der Rolle des Astragalus in jene des Rappelkopf und wieder zurück buchstäblich fährt, dann wird klar, dass im Land, in dem alles relativ ist, genauso gut Qualtinger und Haderer Vorfahren von Ferdinand Raimund sein könnten wie umgekehrt.

In Hans Eschers Inszenierung von "Der Alpenkönig und der Menschenfeind" in den Linzer Kammerspielen verschachtelt sich ein gleichsam zeitloses Kompendium der österreichischen Seele zu einem Gaudium, in dem nicht viel, aber noch allemal genug psychologisiert wird. Hauptsächlich auf der Ebene von Zuspitzungen, Persiflagen, Grotesken und Anspielungen.

Es rumort ganz schön in den scheinbaren Untiefen der rasanten, pointenreichen Handlungsabläufe. Diese spielen sich auf der kargen Bühne von Renato Uz ab, wo sich die Figuren vor, hinter, auf, neben und in einem bierkapselbewehrten multifunktionalen Schrank tummeln: esoterische Freaks um den weißbemähnten Guru Alpenkönig, trachtenbehangene, auszuckende und anlassige, aggressive und feige Charaktere, dienende und herrschende, wie es eben die diversen austriakischen Spiegel so zeigen. Gleichzeitig werden sie aber auch ein wenig internationalisiert, von der Sprache bis zu den von Koloman Polak witzig modernisierten Couplets.

Sven-Christian Habich glänzt rundum in der Rolle des Rappelkopf, Sigrun Schneggenburger als seine Frau ist so was von ergeben, dass es schon wieder fraglich wird. Verena Koch gibt ein erotisch-kokettes, herbes Kammermädchen, dem wienerisches Intrigantentum durchaus geläufig ist. Das Publikum wird auch in den folgenden Vorstellungen ob der flotten, kabarettistisch orientierten Inszenierung und der fulminanten Schauspielerleistungen jubeln. (kann/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.9.2005)

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