Nur mit der Ruhe

13. Mai 2005, 10:01
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Man kommt nicht zufällig vorbei. Und zahlreich sind die Hot-Spots im Kiwi-Land

Flug Nummer Vier ist gerade überstanden, die Fahrt im Bus lässt zum Glück wieder auf ein paar Stunden Sitzerei hoffen. Spätestens nach einer halben Stunde, für die eine umwerfende Kulisse am verdunkelten Busfenster vorbeizieht, ist dem Kiwi-Greenhorn klar, dieses Land nicht binnen zehn Tagen entdecken zu können. Dafür schwirrt die Luft, das Licht bahnt sich erst gar nicht seinen Weg durch die Landschaft zwischen Christchurch und Dunedin, sondern legt sich sanft darüber und schließt alles mit ein.

Die umfassende Ruhe findet sich in der Macandrew Bay, ein Stückchen weiter der Stadt Dunedin, bei der Suche nach Albatrossen. Spannender noch die Suche nach den Gelbaugenpinguinen auf Otago Peninsula. Im Bemühen um größtmögliche Stille wird hier der Mensch innerhalb von Zäunen und abgesteckten Gebieten zu Beobachtungsständen geführt. Frei sind die Pinguine, unbedarft und gelbbebrillt in den Abendhimmel schnuppernd. Gefangen, weil gebannt sind wir im Beobachtungsstand, bald schon erkennbar durch rote Augen vom angestrengten Schauen und dem heftigen Wind von der Küste. Aber die nächsten Flüge folgen tags darauf, der nächste Spot ruft.

Queenstown zeigt sich von der touristischen Seite, liegt da am Wakatipu-See mitten im Land, und verspricht vor allem Action. Bungee-Jumping hat viele Geister verwirbelt und nicht mehr losgebracht vom Menschen-Jojo. Einige (viele) Stunden Busfahrt lassen zurückkehren zur Ruhe. Milford Sound im Westen ist ein solcher Ruhepol. Rudyard Kipling erklärte ihn zum achten Weltwunder, Captain Cook ist überhaupt gleich vorbei gesegelt. Als 1810 ein kleines Segelboot aus Wales ankam, staunten Captain Grono und seine Mannen nicht schlecht - und so auch unsereiner. Mit Sound hat Milford nur in seiner Folgewirkung zu tun, da schwingt er nach. Im Grunde ist er ein 16 Kilometer langer Fjord mit steil aufragenden Felswänden. Die Doppeldecker-Touristenbusladungen sind nicht gar so dem unbeeinträchtigten Empfinden zuträglich wie die Wahl des Leihwagens. Oder gleich der Walk auf einem der Tracks.

Über den Dingen steht und fliegt man vielmehr mit zwei Motoren. Wichtig ist die 3000 Meter hohe Tuchfühlung mit Mount Elliot, Mount Tutoko, Coronet Peak und Mitre Peak. So wie wir uns "nur mit der Ruhe" auch bei Flug Nummer 16 immer wieder vorsagen müssen, ahnen wir endlich das Geheimnis der gelösten Natürlichkeit der Kiwis. Und die Denkweise, als uns ein Queenstowner das Geheimnis des Bungee-Jumping verrät: "Don't do it." (Der Standard, Printausgabe)

Von Claudia Werner
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